Der Nordturm der Marktkirche: Goslar von oben

Der Nordturm der Marktkirche: Goslar von oben

Viele Harzurlauber denken in der Regel sofort an die Kaiserpfalz, wenn sie den Namen der alten Kaiserstadt Goslar hören. Doch im Goslarer Zentrum, nicht weit von der Kaiserpfalz entfernt, befindet sich ein weiteres Highlight, welches man nicht verpassen sollte: Den Nordturm der Marktkirche Goslar. Marktkirchen sind doch typisch für deutsche Innenstädte, oder? Ja, das mag sein, doch den Nordturm der Goslarer Marktkirche St. Cosmas und Damian kann man besteigen und wird nach dem Aufstieg mit einem imposanten Blick in alle vier Himmelsrichtungen belohnt. Allerdings ist das nicht das einzige, warum ein Besuch der Marktkirche während eines Aufenthaltes in Goslar sehr lohnenswert ist.

232 Treppenstufen führen auf den Nordturm der Marktkirche

Ein kleines Schild mit der Aufschrift „Ab in die Höhe!“ an der Mauer der Kirche deutet ganz dezent auf die Möglichkeit eines Aufstieges auf den 66 m hohen Nordturm hin. Geht man ein paar Schritte weiter, befindet man sich schon am Eingang. Dort entrichtet man die Eintrittsgebühr an einer kleinen Holzhütte und erhält eine abgestempelte Eintrittskarte in Form einer Postkarte. Das ist eine nette Idee, denn die Postkarte ist schön gestaltet und eignet sich sehr gut für die Erinnerungskiste oder das Fotoalbum vom Harzurlaub.

Bild des Nordturms der Marktkirche Goslar in der Altstadt der einstigen Kaiser- und Reichsstadt.
Den Nordturm der Marktkirche Goslar bietet mit seiner Höhe von 66 m und einer offenen Plattform einen tollen Blick über Goslar hinweg.

Nun kommt jedoch jener Teil des Vergnügens, den man berechtigterweise als anstrengend bezeichnen kann: Der Aufstieg auf den Turm, für den man 232 Treppenstufen hinaufgehen muss. Dies geht ordentlich ein bischen auf die Puste, zum Glück gibt es jedoch Zwischenetagen, die Sitzgelegenheiten für verdiente Pausen zulassen. Die Treppe besteht aus knarrendem Holz und wirkt etwas filigran, was den ein oder anderen mit Höhenangst leicht nervös werden lassen kann. Ein Tipp gegen Höhenangst: Nicht nach unten gucken, sondern einfach nach oben schauen, das Ziel fest vor Augen. Hat man die letzte Zwischenetage erreicht, die bereits einen tollen Ausblick gestattet, führt eine kleine Treppe auf die freie Aussichtsplattform mit der Glocke. Hat man gerade das „Glück“ sich dort zu befinden, wenn die Glocke läutet, so merkt man schon ein deutliches Wackeln des Turms. Hier muss man hart bleiben und daran denken, dass das Bauwerk den Schwingungen standhält! Nur nicht erschrecken!

Aussicht vom Nordturm: Goslar und der Harz als Miniaturen

Oben auf der Aussichtsplattform des Nordturms der Marktkirche angekommen, erkennt man schnell, warum sich ein mitunter mühsamer Aufstieg wirklich gelohnt hat: Die Aussicht ist beeindruckend. Man blickt weit über die Dächer der Stadt Goslar hinweg, erkennt den Marktplatz mit dem markanten Hotel Schiefer klar und deutlich. Auch die Kaiserpfalz ist als kleines Gebäude in Modelleisenbahngröße zu sehen. Doch dahinter noch ragt der Harz, unter anderem mit dem Rammelsberg und dem Steinberg (Berge im Harz), majestätisch in die Höhe. Fotos zu allen Seiten hin sind von der Aussichtsplattform ein absolutes Muss. Nicht nur ich, sondern auch die anderen Besucher des Nordturms, waren von der Sicht bei diesem klarem Wetter total begeistert! Hat man eine Karte dabei oder die Navigations-App auf dem Smartphone geöffnet, kann man versuchen, verschiedene Gebäude im Panoramablick zu finden. Auch abends zur „blauen Stunde“ sind die Rahmenbedingungen optimal, um gelungene Fotos einzufangen.

Interessantes auf dem Weg zur Spitze des Nordturms

Bild eines Spendenhinweises auf einer Treppe des Nordturms der Marktkirche Goslar.
Ohne die zahlreichen Spenden gäbe es heute keine Möglichkeit, den Nordturm zu besteigen. Auf jeder Treppenstufe befindet sich ein Schild mit dem Namen des Spenders. Daneben informieren die Schilder auch wie viele Treppenstufen man noch bis zur Aussichtsplattform mit Glocke steigen muss.

Schon der Weg über die Treppe nach oben gestaltet sich im Turm der Goslarer Marktkirche sehr ansprechend, denn es gibt einige interessante Stationen mit zahlreichen Informationen rund um die Geschichte und die Funktionsweise der Weule-Uhr von 1848 sowie Hinweise zu der Türmerstube der Goslarer Feuerwächter. Bis 1904 gab es Feuerwächter in Goslar, die Ausschau nach möglichen Brandherden hielten, da Feuer in der Vergangenheit regelmäßig katastrophale Folgen für Goslar und seine Bürger hatten. Daneben ist die Weule-Uhr ein interessantes technisches Gerät, welches man ohne Zweifel als Hightech aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bezeichnen kann. Ein Blick durch das entsprechende Fenster zeigt eine komplexe und groß dimensionerte Mechanik, deren Funktion man in Ruhe betrachten kann. Die Weule-Uhr wird mittlerweile durch einen elektrischen Mechanismus aufgezogen, muss aber dennoch pro Woche um ein paar Minuten korrigiert werden.
Erwähnenswert sind auch die Stufenpatenschaften, welche die Öffnung des Nordturms für die Öffentlichkeit überhaupt ermöglichten. Jeder Spender ist mit einem Schild auf einer Stufentreppe namentlich erwähnt. Somit findet ihr pro Stufe immer ein Schild mit dem Spendernamen oder dem Namen der spendenden Organisation. Daneben kann man aufgrund der Nummerierung auch abschätzen, wie weit es noch nach oben auf den Turm ist.

Fakten zum Nordturm der Marktkirche Goslar im Überblick:

  • Der Nordturm ist erst seit 2004 für die Öffentlichkeit zugänglich.
  • Die Glocke der Goslarer Marktkirche wurde 1848 in Goslar gegossen und konnte 1947 aus Hamburg zurückgeholt werden, wo sie während des Kriegs zum Einschmelzen gelagert wurde.
  • Neben dem Lions-Club Goslar-Rammelsberg, der sich sehr für den Nordturm eingesetzt hatte, wurden Spenden durch die Stufenpatenschaften akquiriert.
  • Die Turmspitze ist seit den frühen 1930er Jahren mit Kupfer belegt.
  • Der Nordturm überragt den Südturm um etwas weniger als einen Meter.
  • Die Marktkirche St. Cosmas und Damian ist nach den beiden bekannten Ärzten und Apothekern benannt.

Die Nordturm-Besteigung im Fazit

Schild "Ab in die Höhe" deutet auf die Aufstiegsmöglichkeit im Nordturm der Marktkirche Goslar hin.
Ein paar Meter weiter und schon befindet man sich am Eingang des Nordturms. Bitte achtet darauf, dass die Öffnungszeiten von der Jahreszeit abhängen. Gerade in der Weihnachtszeit kann es sehr voll auf den Treppen werden.

Das Besondere am Nordturm der Marktkirche Goslar ist ohne Frage die tolle Aussicht. Man blickt weit über die Dächer der Stadt und wird nach einem wackeligen Aufstieg mit einem fantastischen Harzpanorama belohnt. Dies ist natürlich insbesondere für Fotografen ein optimaler Standort, um schöne Aufnahmen zu machen. Auf dem Weg zur Aussichtsplattform erfährt man mehr über die Funktion des Turmes und kann das große Uhrwerk in Betrieb sehen.
Der Aufstieg ist jedoch teilweise recht anstrengend und die Holztreppen wirken recht, sagen wir, filigran. Für Menschen mit Höhenangst kann man den Aufstieg des Nordturms wahrlich als Mutprobe bezeichnen. Kinder sollte man fest in der Hand halten, sofern diese unbedingt mit möchten. Gerade wenn im Nordturm mehr los ist, beispielsweise während des Goslarer Weihnachtsmarktes, kann es schon mal eng werden. Im Fazit ist der Nordturm der Marktkirche ein absolutes Muss, wenn man in Goslar oder dem Oberharz seinen Urlaub verbringt – sofern man sich den Aufstieg zutraut! Die Öffnungszeiten schwanken je nach Jahreszeit. So ist die Nordturmkirche im Winter teilweise nur am Wochenende geöffnet. Informationen hierzu finden sich leider auch nicht auf der Website. Schaut am besten einfach beim Bummeln durch Goslar dort vorbei.

Kontaktdaten der Marktkirche Goslar:

Marktkirche Goslar
Kaiserbleek 5
38640 Goslar
Tel.: 0 53 21 / 229 22
E-Mail: marktkirche@goslar.de
Web: www.marktkirche-goslar.de

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Lisa
Harz- und naturbegeistert, Faible für Fotografie im Allgemeinen und Vintage-Linsen im Speziellen. Hunde ♥ Bäume ♥ Wälder ♥ Wiesen ♥ Teiche ♥ Natur

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