Die Dennert-Tanne

Die Dennert-Tanne – im Harz häufig zu finden!

Von der „Dennert-Tanne“ haben bisher nur die wenigsten Menschen gehört. Ist es eine besondere Nadelbaumart, die harztypisch ist? Eigentlich könnte man diese Frage mit einem „ja“ beantworten, doch so ganz richtig wäre dies nicht. Bei den Dennert-Tannen handelt es sich nicht um Bäume, sondern um Hinweisschilder bzw. Informationstafeln, die in großer Anzahl im Harz vorhanden sind. Sie gehören fast schon so zum Harz, wie die vielen echten Tannen der Harzer Wälder.

Die erste Dennert-Tanne ist nahezu 67 Jahre alt.

Die Idee, Informationstafeln in Form eine Tanne aufzustellen, stammt vom damals 47-Jährigen Herbert Dannert, einem ehemaligen Oberbergrat des Oberbergamtes in Clausthal, der sich sehr um den Erhalt der Bergbaugeschichte im Oberharz verdient gemacht hat. Die „Ur-Dennert-Tanne“ wies auf die stillgelegte Grube Sapreta, die zwischen Clausthal und Altenau lag, hin. Gestiftet wurde diese Dennert-Tanne von der Kraft- und Wasserwirtschaft GmbH, einem damaligen Tochterunternehmen der ehemaligen Preussag AG. Dieses Unternehmen hatte zum Zeitpunkt der Aufstellung der ersten Dennert-Tanne das Oberharzer Wasserregal betrieben. Ausgehend von der ersten Tanne in Clausthal, setze sich die Idee der Infotafel in Tannenform schnell im ganzen (West-)Harz durch. Heute findet man einen regelrechten „Schilderwald“ bzw. „Dennert-Tannenwald“ bei Wanderungen oder Fahrten durch den Harz.

Mit den Dennert-Tannen Geschichte und Bergbau erleben!

Das Schöne an den Dennert-Tannen ist die Tatsache, dass man mit diesen Geschichte erleben kann, auch wenn sich die eigentlichen Orte zwischenzeitlich stark verändert haben, oder schlichtweg nichts mehr von diesen zu sehen ist. Man kann sich einfach auf eine Wanderung begeben und sich überraschen lassen, was der Harz an geschichtsträchtigen Orten zu bieten hat. Man lernt an der freien Luft und kann dabei erahnen, um welch eine Industrieregion es sich beim Oberharz einst handelte. Mit der Zeit gelingt es ohne Weiteres, die verwendete Fachsprache aus der Bergmannswelt zu entschlüsseln. Dies ist der einzige Nachteil der Dennert-Tannen, denn leider strotzen diese vor Fachbegriffen aus dem Harzer Bergbau, die zunächst vielleicht frembd klingen und die man in der Regel noch nie zuvor gehört hat. Den Bergbauinteressierten freut es natürlich, der Laie muss erst einmal nachschlagen. Ein paar der häufigsten Begriffe auf den Dennert-Tannen habe ich nachfolgend für Euch zusammengefasst und „übersetzt“.

Typische Bergmannsbegriffe der Dennert-Tannen:

Foto einer Dennert Tanne im Winter des Oberharzes.
Hier eine Dennert-Tanne der „aten Art“ aus Holz im Winter des Oberharzes. Oftmals findet man im Text viele unbekannte Wörter, die der regionalen Bergmannssprache entstammen.
  • Auffahren: Mit dem Auffahren ist die Errichtung einer horizontalen Grube gemeint.
  • Abteufen: Hierunter versteht man die Errichtung eines vertikalen Schachtes.
  • Auflassen: Man spricht vom Auflassen, wenn der Bergbau in einem Bergwerk beendet wird.
  • Fahrkunst: Eine Fahrkunst besteht aus zwei entgegen läufigen Gestängen mit Trittbrettern, welche das Ein- und Ausfahren von Bergmännern in einen Schacht ermöglicht.
  • Feldgestänge: Feldgestänge sind Gestänge über Tage, welche die Kraft eines Wasserrades zum gewünschten Nutzungsort weiterleitet.
  • Gaipel: Gemeint ist eine mechanische Förderanlage, die durch Menschen, Tiere oder Wasserkraft angetrieben wurde.
  • Gang: Es handelt sich um eine Spalte im Gebirge, wo sich das Erz befindet.
  • Haspel: Eine von Menschen bediente Winde zum Fördern von Tonnen.
  • Hütte: Eine Anlage zur Gewinnung von Metallen aus dem in Pochwerken vorbereiteten Gestein mittels metallurgischer Verfahren.
  • Kehrrad: Ein Wasserrad, welches aufgrund entgegengesetzter Schaufelreihen in beide Drehrichtungen betrieben werden kann.
  • Kunst: Mit einer Kunst ist jede Form von (künstlicher) Maschine, die im Bergbau genutzt wird, gemeint.
  • Lachter: Ein im Bergbau verwendetes Längenmaß mit lokalen Abweichungen. Für Clausthal war ein Lachter etwa 1,92 m lang.
  • Lochstein: Es handelt sich um einen Markierungsstein, mit dem die Grenze einer Grube definiert bzw. angezeigt wird.
  • Markscheider: Eine frühere Bezeichnung für einen Vermessungstechniker.
  • Pochwerk: Eine Anlage zum Zerkleinern von erzhaltigem Gestein. Die sogenannten Pochstempel wurden per Wasserkraft angetrieben und zertrümmerten die darunterliegenden Steine.
  • Querschlag: Eine Grube, die ungefähr rechtwinklig zum eigentlichen erzhaltigen Stollen verläuft.
  • Radstube: Ein abgeschlossener Raum, im welchem sich ein Kehrrad zur Förderung befindet.
  • Taubes Gestein: Damit ist Gestein gemeint, welches kein Erz enthält.
  • Teufe: Ein anderes Wort für Tiefe.
  • Tonnlägig: Ein Schacht ist dann tonnlägig, wenn dieser nicht senkrecht nach unten führt, sondern leicht schräg mit einem Winkel zwischen 60° und 80°.
  • Meiler: Ein aufgeschichteter Holzhaufen, der mit Erde bedeckt und abgebrannt wird, um die für den Bergbau wichtige Holzkohle herzustellen.
  • Mundloch: Es handelt sich um einen über Tage liegenden Eingang zu einem Stollen.
  • Wasserlösungsstollen: Ein Stollen, welcher der natürlichen Entwässerung eines Bergwerks diente. Höher liegende Stollen und Gruben wurden hierdurch von Wasser befreit.
  • Wetter: Gemeint ist damit die Grubenluft. Matte Wettern bedeutet, dass der Sauerstoffanteil der Luft gering ist. Von bösen Wettern wird dann gesprochen, wenn die Grubenluft giftig ist.
Bild einer Dennerttanne im Goslarer Stadtteil Bockswiese im Harz.
Eine Dennert-Tanne in Bockswiese. Viel hat sich im Laufe der Jahre vom Aufbau der Dennert-Tanne her nicht getan.

Seit 1949 wurden immer mehr Dennert-Tannen von verschiedenen Organisationen aufgestellt. Zu diesen gehören der Oberharzer Geschichts- und Museumsverein, die Gemeinden sowie die zahlreichen Zweigstellen des Harzklubs. Dennert-Tannen sind normalerweise aus Holz gefertigt, doch seit ein paar Jahren finden sich auch immer mehr Kunststoffvarianten im Harz. Die Farbgebung ist jedoch gleich.

Die Dennert-Tanne im Fazit: Tolle Sache, aber man muss sich in die Bergmanns-Sprache einlesen.

Die Dennert-Tannen gehören voll und ganz zum Harz, so wie der Brocken oder die zahlreichen Teiche. Sie begleiten einen bei nahezu jedem Ausflug und informieren mit informativen Kurztexten über den jeweiligen Ort und dessen Geschichte. So kann man sagen, dass die Dennert-Tanne das Wandern im Harz noch interessanter gestaltet und die Erinnerung an den einst für den Oberharz so wichtigen Bergbau aufrechterhält. Der neue Harzurlauber mag man sich zwar über die teils sehr merkwürdigen Begriffe in den Texten verschiedener Dennert-Tannen wundern, da sie sich oftmals der Bergmannssprache bedienen. Nichtsdestotrotz hat Herbert Dennert mit seiner Idee eine sehr sinnvolle und zugleich sympathische Eigenheit des Harzes als Urlaubsregion geschaffen!

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Lisa
<p>Harz- und naturbegeistert, Faible für Fotografie im Allgemeinen und Vintage-Linsen im Speziellen. Hunde ♥ Bäume ♥ Wälder ♥ Wiesen ♥ Teiche ♥ Natur</p>

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