Bergbau im Harz: Bergbaugeschichte hautnah erleben!

Bergbau im Harz anhand des Beispiels Ottiliae Schach in Clausthal im Oberharz.
Noch heute zeugen Einrichtungen wie der Ottiliae Schacht vom einstigen Bergbau im Harz. Es waren die Erze des Oberharzes, die damals die Region zu einem Industriegebiet werden ließ. Bei einem Urlaub im Oberharz kommt man am Bergbau eigentlich nicht vorbei!

Vom Ruhrgebiet abgesehen, hat kaum eine Region ihre Geschichte und ihr heutiges Erscheinungsbild dem Bergbau so sehr zu verdanken wie der Harz. Besucht man den Harz als Urlauber, so kommt man kaum an den Zeugnissen des einstigen Bergbaus vorbei. Dies ist besonders im Oberharz offensichtlich, der durch dichte Nadelwälder, Teiche und Städte geprägt ist, die den Namenszusatz „Bergstadt“ tragen. Die Wälder und Teiche im Oberharz sehen nach unberührter, recht ursprünglicher Natur aus. Doch weit gefehlt, im Oberharz ist vieles durch Menschenhand erschaffen und damit „künstlich“. Man findet eine Kulturlandschaft vor, die anhand der Bedürfnisse des Bergbaus gestaltet wurde. Auch der Harzer Bergbau unterlag den wirtschaftlichen Zwängen und so wurde in der Vergangenheit alles unternommen, um so ununterbrochen und effizient wie möglich fördern zu können.
Die lange Geschichte des Bergbaus im Harz lässt sich heute an vielen Orten hautnah erleben und im Detail erkunden. Es gibt zahlreiche Einrichtungen, die erhalten geblieben sind und es wurde seitens der Museen vieles getan, um ein Erlebnis und Bildung miteinander zu verbinden. Tipps für Bergbauinteressierte und für diejenigen von Euch, die mal in das Thema hineinschnuppern möchten, findet ihr in diesem Beitrag.

Die Geschichte des Bergbaus im Harz: Ein kurzer Überblick.

Altes Bild der Zentralen Aufbereitung in Clausthal im Oberharz. Man erkennt das Fördergerüst des Ottiliae Schachtes.
Ein altes Foto der zentralen Aufbereitung bei Clausthal. Neben den eigentlichen Bergwerken entstanden im Oberharz ebenfalls Pochwerke und Hütten, in denen die geförderten Erze weiterverarbeitet worden sind. Der Bergbau im Oberharz war für die einheimische Bevölkerung von größter wirtschaftlicher Bedeutung. Heute erinnert nur noch eine unbewachsene Halde in der Nähe von Clausthal an die ehemalige Zentralaufbereitung.

Mittelgebirge wie der Harz waren in früheren Zeiten sehr unwirtlich und wurden aufgrund der vielen Gefahren vom Menschen gemieden. Interessant wurde die Besiedlung erst dann, wenn sie im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Gesichtspunkten stand. Hier sind Bodenschätze zu nennen, die für den Menschen im Laufe der Geschichte eine immer größer werdende Rolle spielten.
Für den Harz lässt sich aufgrund von wissenschaftlichen Untersuchungen nachweisen, dass dort bereits vor etwa 3000 Jahren – also in der Bronzezeit – Erze durch den Menschen gewonnen worden sind. Um 1000 begann dann der in der Sachsenchronik erwähnte Harzer Bergbau am Goslarer Rammelsberg, wo bis 1988 – also fast 1000 Jahre lang – verschiedene Erze abgebaut wurden. In der Folgezeit gab es, insbesondere im Oberharz, immer wieder Hochphasen des Bergbaus. Die Blüte des Bergbaus erlebte der Harz im 16. und 17. Jahrhundert. Bergleute aus dem Erzgebirge wurden angeworben, woher auch die charakteristische Oberharzer Mundart herrührt. In diese Zeit fallen die sieben Oberharzer Bergstädte, die von den Bergfreiheiten profitieren konnten.

Die sieben Oberharzer Bergstädte:

Neben den eigentlichen Schächten entstand im Harz auch eine entsprechende Infrastruktur für den Bergbau. Das Oberharzer Wasserregal lieferte die erforderliche Energie aus Wasserkraft, während Pochwerke und Hütten die geförderten Erze weiterverarbeiteten. Hierzu wurde Holzkohle in großen Mengen benötigt, sodass es viele Kohlemeiler im damaligen Harz gab. Die natürlichen Wälder des Harzes wurden im Zuge des Bergbaus dabei nahezu gänzlich zerstört. Die künstliche Aufforstung wurde im 18. Jahrhundert mit schnell wachsenden Fichten vorgenommen, die noch heute das Landschaftsbild des Oberharzes, welches oft an Skandinavien erinnert, prägen.

Ein altes Bild zeigt einen Oberharzer Bergmann auf einer Fahrkunst der Grube Samson in Sankt Andreasberg.
Die Fahrkunst ist eine Oberharzer Erfindung und vereinfachte das Leben der Bergleute immens. Produktivität und Sicherheit wurden ebenfalls erhöht. Vor der Inbetriebnahme von Fahrkünsten im Oberharzer Bergbau mussten die Bergleute auf Leitern lange ein- und ausfahren. Wichtig zu wissen ist, dass den Bergleuten die Einfahrten und Ausfahrten nicht bezahlt wurden.

Daneben machten immer größere Teufen (Tiefen) in den Bergwerken neue Bergbautechniken nötig und stellten auch immer höhere Ansprüche an die Bergleute. Daher ist es nicht verwunderlich, dass technische Bergbauinnovationen aus dem Harz stammen und dass in Clausthal, der früher schon mal „Hauptstadt des Oberharzes“ genannten Bergstadt, die Bergakademie gegründet wurde. Die Bergakademie ist die direkte Vorgängerin der Technischen Universität Clausthal.

Bekannte Bergbauerfindungen aus dem Harz:

  • Fahrkunst (Methode zum Ein- und Ausfahren aus einem Schacht)
  • Stahlseil (verschleißarmes, belastbares Seil aus Eisen)

Was ist heute das Besondere am Bergbau im Harz?

Zum einen verfügt der Harz über eine sehr lange Bergbaugeschichte, die verschiedene Phasen durchlebte und die gesamte Region über Jahrhunderte hinweg prägte. Trotz der Größe und des Ausmaßes, ist beispielsweise die Geschichte des Ruhrgebietes als Bergbauregion eine recht kurze gewesen. Die verschiedenen Phasen des Bergbaus im Harz haben zahlreiche Zeugnisse hinterlassen, die man heute im Rahmen eines Urlaubes sehr gut erkunden kann. Natur und Bergbaugeschichte bilden im Harz einfach eine gute Verbindung, die für Abwechslung sorgt. Besucherbergwerke laden beispielsweise zur Einfahrt ein, während das Oberharzer Bergwerksmuseum einen breit gefächerten Überblick über die Bergbaugeschichte gibt. Auf dem Freigelände am Zellerfelder Standort kann man unter anderem ein Pochwerk sowie eine Radstube und ein Kunstgestänge besichtigen.
Den Bergbau im Harz zu erkunden ist nicht nur interessant für Erwachsene, sondern vor allem für Kinder. Das Oberharzer Bergwerksmuseum verleiht für Familien und Kinder zum Beispiel den e.guide EMIL, einen elektronischen Wanderführer in Form eines tragbaren Geräts, mit welchem man verschiedene Stationen und Orte des Bergbaus im Harz auf flexible und anschauliche Weise kennenlernen kann.
Daneben ist es insbesondere das Oberharzer Wasserregal, welches aus unzähligen Teichen und Wassergräben besteht, zu erwähnen. In vielen Teichen ist das Schwimmen erlaubt und viele bekannte Wander- sowie Fahrradwege führen zu markanten Punkten des Oberharzer Wasserregals. Nahezu an jedem Weg im Oberharz finden sich „Informations-Tannen“ des Harzklubs, die auf ehemalige Einrichtungen des Harzer Bergbaus verweisen und weitere Informationen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten wie etwa Stolleneingänge liefern.

Interessante Orte des Oberharzer Bergbaus:

  • Bergbaumuseum Rammelsberg – UNESCO Weltkulturerbe (Goslar)
  • Grube Samson (Sankt Andreasberg)
  • Lehrbergwerk Roter Bär (Sankt Andreasberg)
  • Grube Catharina Neuanfang (Sankt Andreasberg)
  • Oberharzer Bergwerkmuseum (Clausthal-Zellerfeld)
  • Ottiliae Schacht (Clausthal-Zellerfeld)
  • Kaiser Wilhelm Schacht (Clausthal-Zellerfeld)
  • 19 Lachter Stollen (Wildemann)
  • Radstube Rosenhof (Clausthal-Zellerfeld)
  • Bergbaumuseum Lautenhals Glück (Lautenthal)
  • Schachtanlage Knesebeck (Bad Grund)

Interessante Orte des Bergbaus im Harz:

  • Steinkohlenbesucherbergwerk Rabensteiner Stollen (Harztor / Ilfeld)
  • Besucherbergwerk Scholmzeche (Bad Lauterberg)
  • Schaubergwerk Lange Wand (Harztor / Ilfeld)
  • Erlebniszentrum Bergbau Röhrigschacht (Wettelrode)

Bergbau im Harz: Die Zusammenfassung

Der Förderturm des Kaiser Wilhelm Schachts in Clausthal als Symbol des einstigen Oberharzer Bergbaus bei Nacht.
Der Förderturm des Kaiser-Wilhelm-Schachtes in Clausthal wirkt sehr imposant – auch bei nächtlicher Ausleuchtung. Er gehört zu den Highlights der Bergbaugeschichte Clausthal-Zellerfelds.

Dank des früheren Bergbaus im Harz findet man heute viele Orte, an denen einst Bergbau betrieben wurde. Einige Einrichtungen bestehen noch heute oder können im Gelände nachvollzogen werden. Nachbauten sind ebenfalls reichlich vorhanden. Dank der Bedeutung des Bergbaus für die eigene Region gibt es im Harz viele Menschen, die sich mit Leidenschaft für einen Erhalt und eine touristische Aufbereitung der Bergbauhinterlassenschaften einsetzen. So kann man zahlreiche Stollen und Schächte besuchen oder gar mit einer kleinen Bahn mitfahren. Die Erkundung des Harzer Bergbaus bietet daher beste Voraussetzungen, um einen Erlebnisurlaub zu verbringen. Bergbau ist auch gerade für viele Kinder spannend, nicht zuletzt aufgrund einer guten pädagogischen Aufbereitung des Themas, beispielsweise mittels des e.guide EMIL.

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