Der Ottiliae Schacht – ein Muss in Clausthal-Zellerfeld!

Bild des Förderturms des Ottiliae Schachtes in Clausthal-Zellerfeld
Der Förderturm des Ottiliae Schachtes ist ein interessantes Stück Oberharzer Bergbaugeschichte. Dieser Schacht samt technische Einrichtung ist heute Teil des UNESCO-Welterbes.

Wer im Rahmen eines Harzurlaubes Clausthal-Zellerfeld, die größte Stadt – besser gesagt Berg- und Universitätsstadt – des Oberharzes besucht, kommt an ein paar Sehenswürdigkeiten nicht vorbei. Die Marktkirche zum Heiligen Geist wäre als Beispiel zu nennen. Doch noch bekannter ist Clausthal-Zellerfeld für seine langjährige Bergbaugeschichte, zu der eindeutig der Ottiliae Schacht westlich der Stadt gehört. Der historische Rahmen führte nicht nur dazu, dass in Clausthal die Bergakademie, aus der die heutige Technische Universität Clausthal hervorging, gegründet wurde, sondern dass der Bergbau allgegenwärtig ist. Bergbautraditionen werden im Oberharz hochgehalten und man ist stolz auf die vergangenen Zeiten, in denen die Region ein Industriezentrum war. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass man in Clausthal-Zellerfeld Orte der Bergbaugeschichte noch heute besuchen kann. Den Ottiliae Schacht kann man dabei als besonderes Highlight einordnen.

Ottiliae Schacht – Warum so ein eigentümlicher Name, der als Zungenbrecher taugt?

Der Name des Schachts wurde nach Ernst Hermann Ottiliae benannt, der nach dem Anschluss des Königreichs Hannover an Preußen im Jahre 1868 zum ersten Berghauptmann in Clausthal ernannt worden ist. Dem Berghauptmann oblagen damals wichtige Aufgaben, denn er war Direktor des Oberbergamtes und damit verantwortlich für alle Belange des Bergbaus in der Region. Da ist es verständlich, dass man den Namen des Berghauptmannes zur Bezeichnung eines Schachtes verwendet. Auch wenn es mit der Aussprache zunächst hapern sollte, der Ottiliae Schacht ist definitiv einen Besuch wert! Aber warum ist der Schacht so besonders?

Der Ottiliae Schacht ist ein einzigartiges Zeugnis Oberharzer Bergbaugeschichte!

Trotz der Tatsache, dass der Ottiliae Schacht mittlerweile mit Beton verschlossen ist, hat das Fördergerüst sowie die dazugehörige Schachthalle die endgültige Schließung des Schachtes überlebt. Das Fördergerüst aus Stahl, welches von der Clausthaler Bergschmiede gefertigt wurde, stammt aus dem Jahr 1876 und ist mit seinen ca. 20 m Höhe westlich von Clausthal gut zu sehen. Heute zum Oberharzer Bergwerksmuseum gehörend, wurden die Anlagen des Ottiliae Schachtes vor dem Abriss durch den letzten Betreiber, die Preussag, dank engagierter Bergbauenthusiasten Anfang der 1980er Jahre bewahrt. Nach der Stilllegung des Bergbaus in 1930 war der Schacht für die Gewinnung elektrischer Energie mittels Wasserkraft genutzt worden. Neben der Tatsache, dass das Fördergerüst des Ottiliae Schachtes eines der ältesten noch erhaltenen in Europa ist, sollte mann vor allem die noch funktionsfähige Dampfmaschine inklusive Förderanlage erwähnen, die definitiv eine Besichtigung wert ist. Getoppt wird der gute Erhaltungsgrad der gesamten Anlage nur noch durch die nachgebaute Tagesförderbahn. Diese Schmalspurbahnstrecke (Spurbreite: 60 cm, Länge: ca. 2,2 km)wurde in den frühen 90er Jahren zwischen dem ehemaligen Clausthaler Bahnhof, der heute die Stadtbibliothek beheimatet (am Busbahnhof), und dem Ottiliae Schacht errichtet. Die Strecke entlang der Bremer Höhe wurde in etwa dem früheren Verlauf der Tagesförderbahn verlegt und führt durch einen urig anmutenden Tannenwald sowie entlang wilden Bergwiesen. Diesen Weg könnt Ihr zwischen Mai und Oktober, jeweils am Samstag oder am Sonntag im Leuteförderwagen, gezogen von einer echten Grubenlok, zurücklegen. Eingestiegen wird hinter der Stadtbibliothek. Auch die Schienen-Weichen-Systeme sowie der Lokschuppen auf dem eigentlichen Geländes des Ottiliae Schachtes sind sehr interessant und spiegeln ein Stück der Bergbauvergangenheit in Clausthal wider. Darüber hinaus beheimaten die sogenannten „Tagesanlagen“ (oberirdische Anlagen eines Schachtes) eine Museumsausstellung, welche sich der Fördertechnik des Oberharzes widmet.

Bild der Treppe, die auf den Förderturm des Oberharzer Ottiliae Schachts führt.
Der Förderturm des Ottiliae Schachtes ist sehr gut erhalten. Führungen vor Ort informieren über die Funktion des Ottiliae Schachtes.

Eine kurzer Überblick über die Bergbaugeschichte des Ottiliae Schachtes.

Der Ottiliae Schacht war im Wesentlichen ein Schacht, der der Förderung von Erzen diente, die in mehreren Kilometern Entfernung abgebaut wurden. Der Transport erfolgte per unterirdischer Wasserstraße, der „Tiefen Wasserstrecke“, über entsprechende Kähne, die mit Kästen beladen wurden. Zum Entladen verfügte der Ottiliae Schacht über einen Hafen in zunächst 341 m Tiefe, von wo aus die Kästen per Förderseil hochgezogen wurden. Im Zuge einer Erweiterung um die vorletzte Jahrhundertwende herum wurde schließlich eine Teufe (Tiefe) von 594 m erreicht und eine elektrische Bahn ersetzte den Transport per Kahn.

Ein Fazit zum Ottiliae Schacht in Clausthal-Zellerfeld.

Wer sich für Technik im Allgemeinen oder Bergbau im Speziellen interessiert, wird vom Ottiliae Schacht begeistert sein. Vor allem der Umstand, dass man mit der Schmalspurbahn vom Clausthaler Busbahnhof, der leicht zu erreichen ist, zum Ottiliae Schacht fahren kann, verleiht einem Besuch ein ganz besonderes Feeling. Dabei wird es auch Kindern auch nicht langweilig, was im Besuch eines klassischen Museums eventuell der Fall sein könnte. Die Möglichkeit, alte Technik hautnah zu sehen, ist ein schönes und unvergessliches Erlebnis. Wir finden den Ottiliae Schacht sehr empfehlenswert und betrachten ihn als eine absolute Sehenswürdigkeit, die man bei einem Urlaub im Oberharz nicht verpassen sollte. Wer noch mehr Bergbaugeschichte erleben möchte, den kann man zum Besuch des Lautentaler Bergbaumuseums mit Grubeneinfahrt oder zur Teilnahme an einer Führung durch das Rammelsberger Besucherbergwerk in Goslar raten. Auch das Oberharzer Wasserregal ist eine Folge des Bergbaus. Bergbau und Oberharz, beides ist eng miteinander verbunden – warum nicht auch im Urlaub?!

Fahrzeiten Tagesförderbahn – Ottiliae Schacht:

Die Abfahrt der Bahn erfolgt am „Alten Bahnhof“, wo sich heute die Stadtbibliothek von Clausthal-Zellerfeld befindet.

Die Bahn ist in Betrieb von Mai bis Oktober in Betrieb. Sonntags und Feiertags 11:00 Uhr sowie Samstags, Sonntags und Feiertags um 14:30 Uhr.

Betreiber & Ansprechpartner:

Das Oberharzer Bergwerksmuseum
Bornhardtstraße 16
38678 Clausthal-Zellerfeld (OT Zellerfeld)
Telefon: 05323-98950, Fax: 05323-989569
E-Mail: info@oberharzerbergwerksmuseum.de
Web: www.oberharzerbergwerksmuseum.de
Öffnungszeiten: Täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr (außer Heiligabend)