Das Oberharzer Wasserregal: Wasser aus dem Regal?

Das Oberharzer Wasserregal gabe dem Bergbau im Oberharz die erforderlich Kraft mittels fließendem Wasser.
Das Oberharzer Wasserregal hat dem Bergbau seine Entstehung zu verdanken. Teiche die fast natürlich aussehen, erfüllten einen reinen technischen Zweck: Dem Bergbau die Kraft des Wassers zur Verfügung zu stellen. Ohne das Oberharzer Wasserregal wäre ein Bergbau im Harz kaum denkbar gewesen.

Wenn der Oberharz für etwas außer seiner Gebirgslandschaft mit dichten Fichtenwäldern bekannt ist, so sind es die vielen Teiche, die sich in der Region – vor allem um Clausthal-Zellerfeld herum – befinden. Diese scheinen sich perfekt in die Landschaft einzufügen und gehören nicht selten zu den bekannten Panoramen gut besuchter Urlaubsorte oder Berggipfel. Was die wenigsten zunächst wissen ist, dass die Oberharzer Teiche künstlich, durch den Menschen, eingerichtet worden sind und es sich somit korrekterweise nicht um natürliche Seen handelt. Doch wieso spricht man eigentlich von einem Wasserregal und warum wurde es im Oberharz eingerichtet?

Oberharzer Wasserregal und Bergbau: Fest miteinander verbunden.

Das Oberharzer Wasserregal ist letztendlich ein Relikt des einstigen Bergbaus im Oberharz und darf nicht mit der aktuellen Wasserwirtschaft des Harzes mit seinen großen Talsperren verwechselt werden. Mit zunehmender Tiefe der Schächte musste auch stetig mehr Energie zur Verfügung gestellt werden. Wurde zu Beginn des Bergbaus im Harz Menschen- und Pferdekraft genutzt, war dies ab einem gewissen Punkt nicht mehr wirtschaftlich. Man musste auf Wasserkraft als neue Energiequelle zurückgreifen, um immer größere Tiefen im Bergbau zu meistern. Waren es zunächst die natürlichen Gewässer des Oberharzes, die zum Antrieb von Wasserrädern genutzt wurden, reichten diese bald nicht mehr aus, um die Gruben ausreichend zu versorgen. Zudem war der Bergbau sehr wetterabhängig, da die Wasserräder nur mit Aufschlagwasser, welches trotz der hohen Niederschlagswahrscheinlichkeit im Harz auch nicht in unendlich großen Mengen zur Verfügung stand, betrieben werden konnten. Daher gab es Phasen, in denen der Bergbau im Oberharz nicht möglich war, weil die Wasserräder stillstanden. So war es nur konsequent, dass man bestrebt war, Wasser zu speichern und dieses bei Bedarf nutzen zu können. Hier kam nur der Bau von künstlichen Seen in Frage, die wir heute als die Oberharzer Teiche bzw. als das Oberharzer Wasserregal kennen. Die große Anzahl an Teichen und deren Verteilung lässt klare Rückschlüsse auf das Ausmaß des ehemaligen Bergbaus im Oberharz erkennen. Kein Wunder, denn in der Blütezeit war der Oberharz der Hauptproduzent von Silber in ganz Deutschland.

Das Oberharzer Wasserregal: Ein Recht und kein Möbelstück!

Mit dem Wasserregal, ist nicht wie es zunächst logisch erscheinen mag, der Vergleich mit einem vollen Regal von gespeichertem Wasser gemeint, aus dem der Bergbau nach Belieben Wasser entnehmen kann. Dies wäre vermutlich die naheliegende Herleitung, doch sie ist falsch.
Unter einem Regal versteht man ein Recht, welches durch einen Landesherrn verliehen wurde. Das Recht, Bergbau zu betreiben wurde in Verbindung mit dem Recht, hierfür das Wasser des Oberharzes nutzen zu dürfen, vergeben. Das Wort „Regal“ stammt aus dem Lateinischen von dem Wort „Regis“, also König, ab. Die Landesherren waren selbstverständlich an einem florierenden Bergbau im Harz interessiert, denn auf diese Weise konnten sie Abgaben erheben und ihre Kassen füllen.

Bild eines Teiches mit Nadelwald, wie er typisch für das Oberharzer Wasserregal ist.
Ein Teich des Oberharzer Wasserregals, wie er typisch für die Region ist. Es sieht nach reiner Natur aus, ist es aber nicht. Der Teich wurde künslich gestaut und auch die Tannen wurden durch den Menschen im Oberharz angepflanzt. Nichtsdestotroz ist der Oberharz einfach wunderbar, insbesondere zum Wandern. Das gesamte Oberharzer Wasserregal ist mit Wanderwegen gut ausgebaut. Bei diesem Teich handelt es sich um den Mittleren Grumbacher Teich.

Die Elemente des Oberharzer Wasserregals: Vom Striegelhaus bis zum Wasserlauf.

Bei den technischen Bauten des Oberharzer Wasserregals gibt es Elemente, die sich immer wieder finden – ganz gleich, ob man sich beispielsweise im Stadtgebiet von Clausthal-Zellerfeld oder in der Region Hahnenklee-Bockswiese bewegt.

Die Kernelemente des Oberharzer Wasserregals sind:

  • Teich: Als Teich bezeichnet man einen künstlich angelegten See, der beim Oberharzer Wasserregal meist mit einem Damm gestaut wird. Die Teiche speichern also Wasser, welches bei Bedarf – beispielsweise um ein Wasserrad anzutreiben – abgelassen werden konnte.
  • (Sammel)Graben: Mit den Sammelgräben wurden die Teiche des Oberharzer Wasserregals mit neuem Wasser gespeist. Diese Sammelgräben hatten selbst Zuflüsse von natürlichen Bächen. Andere „normale“ Gräben erfüllten den Zweck, Wasser dort hinzuleiten, wo es benötigt wurde, und zwar zu den Schächten und Gruben. Kilometerlange Gräben sind keine Seltenheit für das Oberharzer Wasserregal.
  • Teichkaskade: Eine Teichkaskade ist eine Mehrzahl von Teichen, die eng beieinander liegen und auf verschiedenen absteigenden Höhenstufen hintereinander liegen. Diese Konstellation an Teichen gestattete den Betrieb mehrerer Wasserräder. Zudem konnte man mit den damaligen Mitteln nur Staudämme bis zu einer gewissen Höhe errichten, was der Größe eines Teiches klare Grenzen setzte. Die Teichkaskade war eine echte Alternative zu einem einzelnen großen Teich.
  • Wasserrad: Heute sind nur noch Rekonstruktionen zu besichtigen, allerdings handelt es sich bei dem Wasserrad um das Kernelement im Bergbau, um die Wasserkraft in eine mechanische Bewerbung umzuwandeln. Ohne das Wasserrad wäre das Oberharzer Bergregal niemals zustande gekommen und es hätte auch kein leistungsfähiger und wirtschaftlicher Bergbau stattfinden können.
  • Radstube: Um die für den Bergbau überaus wichtigen Wasserräder des Oberharzer Wasserregals vor äußeren Einflüssen zu schützen, wurden diese in sogenannten Radstuben, also Gebäuden, untergebracht. Selbstverständlich wurden Wasserräder auch in Stuben unter Tage installiert.
  • Wasserlauf: Der Wasserlauf ist ein Teil eines Wassergrabens, der unterirdisch verläuft. Das Wasser fließt dort also unterirdisch, was überaus vorteilhaft für das Funktionieren des Wassersystems im Winter war. Denn Wasser im Wasserlauf wird vor dem Einfrieren geschützt.
  • Wasserlösungsstollen: Was Wasserknechte zu Beginn des Oberharzer Bergbaus per Hand machen mussten, übernahmen später die Wasserlösungsstollen. Diese wurden eingerichtet, um das in die Stollen einsickernde Wasser aus einem Berg herauszuführen. In den größeren Tiefen des Oberharzer Bergbaus war ab einem gewissen Zeitpunkt eine Arbeit der Wasserknechte technisch nicht mehr möglich. Wasserlösungstollen dienten somit der Entwässerung im Oberharzer Bergbau.
  • Widerwaage: Unter einer Widerwaage versteht man ein kleines Wasserbecken, in welchem Wasser gesammelt wird. Widerwaagen haben verschiedene Funktionen, beispielsweise bei der Einleitung von Wasser in einen Graben oder der Aufnahme von sickerndem Wasser. Im Wesentlichen handelt es sich bei einer Widerwaage vom Prinzip her um einen kleinen Teich mit Damm.
  • Fehlschlag: Bei einem Fehlschlag handelt es sich um den steuerbaren Abfluss eines Grabens. Bretter dichteten den Graben an dieser Stelle zunächst ab und konnten bei Bedarf entfernt werden, um so einen Abfluss des Grabens zu ermöglichen. Wasser musste dann aus einem Graben kontrolliert abfließen, wenn dieser zu viel Wasser führte. Auf diese Weise konnten Überschwemmungen und damit verheerende Folgen für das Wassersystem vermieden werden.
  • Striegelhaus: Das Striegelhaus eines Teiches war Voraussetzung dafür, dass man das Wasser kontrolliert ablaufen lassen konnte. In einem Striegelhaus findet man eine Vorrichtung, mit welcher den Striegelkopf – eine Art Stopfen – ein im Damm integriertes Abflussrohr ansteuert. Das in Holzbauweise errichtete Striegelhaus steht im Wasser und gehört zu Dämmen der „älteren Bauart“. Effektiver war die Ansteuerung des Wasserabflusses direkt über einen Striegelschacht vom Damm aus. Hierdurch sparte man sich den aufwendigen Bau eines Striegelhauses sowie dessen Pflege und Wartung.

Das Oberharzer Wasserregal als Attraktion: Wasserwanderwege und Badespaß.

Striegelhaus auf einem Damm eines zum Oberharzer Wasserregal gehörenden Teiches bei Zellerfeld.
Das Oberharzer Wasserregal verfügt über zwei verschiedene Dammbauweisen. Bei der älteren Variante steht das Striegelhaus im Wasser. Hier handelt es sich um einen Damm neuerer Bauart. Dieser Teich liegt zwischen Zellerfeld und Kreuzeck.

Das besondere am Oberharzer Wasserregal ist, dass es sich heute um ein riesiges Freilichtmuseum handelt, welches man selbst vor Ort erkunden kann. Zahlreiche Wegweiser, Hinweisschilder und Schaubilder führen den Wanderer durch die Einrichtungen des Oberharzer Wasserregals und erklären an zahlreichen Stationen die Funktionsweise. Bekannt ist etwa das Logo des Oberharzer Wasserregals, welches ein Kehrrad darstellt und an den entsprechenden Wanderwegen im Oberharz zu finden ist. Neben dem Wandern sind die Oberharzer Teiche vor allem im Hinblick auf Baden im Sommer und Angeln interessant. An manchen Tagen und zu bestimmten Uhrzeiten kann es sein, dass man einen kleineren Teich „für sich hat“ und den Sommer im tollen Ambiente des Oberharzes voll und ganz genießen kann. Bei manchem Teich des Oberharzer Wasserregals, beispielsweise dem bei Hahnenklee gelegenen Kuttelbacher Teich, handelt es sich gar um ein offizielles Waldseebad, das an warmen Tagen für die richtige Abkühlung sorgt.

Freizeitmöglichkeiten rund um das Oberharzer Wasserregal

  • Wandern und die Natur des Oberharzes genießen (Wasserwanderwege).
  • Sich über die Funktion der erhaltenen gebliebenen Teile des Oberharzer Wasserregals vor Ort im Gelände informieren.
  • Teilnahme an einer geführten Tour des Oberharzer Bergwerkmuseums durch das Wasserregal.
  • Mit dem Mountainbike die Wasserwanderwege abfahren.
  • Im Sommer in einem der vielen Teiche baden oder ein Waldseebad besuchen.
  • Auf einem der zahlreichen Campingplätze campen.
  • In einem Teich des Oberharzer Wasserregals angeln.
  • Die Teiche und Einrichtungen des Oberharzer Wasserregals fotografisch erkunden.

Bekannte Orte des Oberharzer Wasserregals

Ein nachgebautes Wasserrad in Zellerfeld, welches eine Kunst antreibt, um mechanische Energie für den Bergbau zu nutzen.
Mit dem Wasserrad wird die Kraft des fließenden Wassers in mechanische Energie umgewandelt. Hier sieht man ein nachgebautes Wasserrad in Zellerfeld, welches ein Kunstgestänge antreibt. Der Ideenreichtum der damaligen Bergleute ist noch heute beeindruckend. Das gesamte Oberharzer Wasserregal ist heute quasi ein Freilichtmuseum und lässt sich sehr gut erkunden. Viele Wasserwanderwege stehen dem Harzurlauber zur Verfügung.

Ohne Frage gibt es Teile des Oberharzer Wasserregals, die deutlich bekannter sind als andere. Gründe hierfür ist etwa die Tatsache, dass es sich um Sonderbauwerke handelt, die einmalig im Wassersystem sind. Aber auch die Größe der jeweiligen Anlage kann eine Rolle für die Beliebtheit spielen. Zudem gibt es Wasserbauwerke, die zu den letzten erhaltenen Bauwerken ihrer Art gehören. Sicher ist bei der vorzufindenden Vielfalt der ein oder andere spannende und sehenswerte Ort des Oberharzer Wasserregals für Euch dabei – zur Übersicht haben wir unsere persönliche Top 10 aufgelistet:

Top 10 Sehenswürdigkeiten des Oberharzer Wasserregals

  1. Auerhahner Kaskade (Auerhahn, Kreuzeck, Bockswiese, Hahnenklee)
  2. Huttaler Widerwaage mit Huttaler Wasserlauf (Clausthal)
  3. Hasenbacher Wasserlauf (Clausthal, Buntenbock)
  4. Dammgraben (Dammhaus, Altenau)
  5. Rehberger Graben (Sankt Andreasberg)
  6. Magdeburger Stollen (Bad Grund)
  7. Hirschler Teich (Clausthal)
  8. Kuttelbacher Teich (Hahnenklee, Bockswiese)
  9. Einersberger Teiche (Wildemann, Clausthal-Zellerfeld)
  10. Sperberhaier Damm (Altenau)
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