Goslar: Alte Kaiserstadt am Fuße des Harzes

Bild der Kaiserpfalz in Goslar mit Reiterstatuen im Winter.
Selbstverständlich ist die Kaiserpfalz das Wahrzeichen Goslars. Doch die alte Kaiserstadt hat weitaus mehr zu bieten!

Wer den Harz kennt, der hat auch schon einmal von dieser alten Stadt gehört, die derzeit um die 50.000 Einwohner hat: Goslar. Die alte Kaiserstadt, die 979 erstmals schriftlich erwähnt wurde, zeigt sich heute vor allem von einer abwechslungsreichen Seite. In Goslar treffen alt und neu aufeinander, nicht nur, was die Architektur angeht. Von Goslar aus ist man schnell im Oberharz, und gar ein Stadtteil von Goslar gehört zum Oberharz: Hahnenklee-Bockswiese. Somit bietet Goslar einen sehr guten Standort, um sowohl einen Urlaub in der für sich allein schon bemerkenswerte Stadt zu verbringen, als auch um den Harz zu erkunden. Warum sich ein Besuch dieser architektonisch ansprechenden Stadt mit seinem beeindruckenden Harzpanorama lohnt, das erfahrt ihr in diesem Artikel.

Goslar als Ausgangspunkt für einen Harzurlaub.

Am nördlichen Rand des Harzes, besser gesagt Oberharzes, ist Goslar verkehrstechnisch sehr gut angebunden und lässt sich aus allen Himmelsrichtungen gut erreichen. Von der A7 aus sind es knapp 30 Minuten bis nach Goslar, von Braunschweig aus kaum eine Dreiviertelstunde. Ist man erst einmal in Goslar, so ist es nur noch ein Katzensprung in den Harz. Hahnenklee-Bockswiese, das bekannte Wintersportzentrum am Bocksberg, liegt nur 18,5 km entfernt. Clausthal-Zellerfeld ist in weniger als 30 Minuten erreicht. Vergessen darf man dabei nicht, dass die Fahrt in den Oberharz an sich schon ein schönes Erlebnis sein kann, da man eine recht kurvenreiche Strecke mit tollen Aussichtspunkten passiert. Daneben verfügt Goslar aufgrund seiner Größe und Bedeutung für die Region über einen Bahnhof, der sehr nah bei der Innenstadt mit ihrer zentralen Einkaufszone liegt. Weitere Bahnhöfe finden sich in den Stadtteilen Oker und Vienenburg. Ebenfalls gibt es Fernbusverbindungen vom ZOB aus, der sich am Goslarer Hauptbahnhof befindet.
Goslar eignet sich vor allem aufgrund seiner Infrastruktur als Ausgangspunkt für einen Harzurlaub. So finden sich zahlreiche Hotels und weitere Unterkünfte aller Preisklassen, darunter auch perfekt modernisierte Apartments in historischen Häusern, im Stadtgebiet. Die Einkaufsmöglichkeiten sind als sehr gut einzustufen. Natürlich ist die Fußgängerzone deutlich kleiner dimensioniert als in größeren Städten, doch wirkliche Einschnitte gibt es aus unserer Sicht in Goslar nicht.
Wer sich für den Hochharz samt Brocken interessiert, liegt mit Goslar als Urlaubsort absolut richtig. Nach Bad Harzburg sind es knapp 10 km. Von dort aus ist man schnell in Torfhaus, welches für seinen hervorragenden Brockenblick bekannt ist. Die Okertalsperre ist natürlich auch schnell über den Stadtteil Oker zu erreichen, wobei die B498 durch das landschaftlich sehr interessante Okertal bis hinauf zur Absperrmauer und entlang der Talsperre führt.

Wofür ist Goslar bekannt? Die Kaiserpfalz und mehr…

Bild eines Fachwerkhauses der Altstadt von Goslar.
Die Altstadt Goslars ist beeindruckend. Sie besteht aus vielen Fachwerkhäusern und verfügt gleichzeitig über gute Einkaufsmöglichkeiten.

Ohne Frage: Die Kaiserpfalz ist die bekannteste Sehenswürdigkeit in Goslar. Nahe dem Altstadtkern gelegen, reicht die Entstehungsgeschichte der Kaiserpfalz bis ins 11. Jahrhundert zurück und ist noch heute ein Zeugnis des damaligen Wanderkönigtums. So hielt sich Heinrich II. mindestens siebenmal in Goslar auf, Konrad II. sechsmal und Heinrich IV. mindestens dreißigmal.
Neben der Kaiserpfalz ist vor allem die Goslarer Altstadt sehr beeindruckend, die sich auf das 12. Jahrhundert zurückführen lässt. Die Bezeichnung „Nordisches Rom“ für Goslar ist da mit Sicherheit nicht falsch gewählt worden und wird viele Jahrhunderte später durch die Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe nochmals untermauert. Kaufleute und der beginnende Bergbau machten Goslar zu einer reichen Stadt, was man heute noch sehr gut in der Altstadt nachvollziehen kann. Der damalige Wohlstand der „Freien Reichsstadt“ war auch dem Bergbau am Rammelsberg zu verdanken, welcher insbesondere im 15. Jahrhundert der Stadt Goslar Einnahmen bescherte. Ebenso trug Bier als Exportware zum Reichtum bei. Die Gose, welche nach dem im Oberharz entspringenden Fluss benannt ist, stammt aus Goslar. Heute kann man diese eher ungewöhnliche Biersorte wieder vor Ort probieren und beispielsweise im Brauhaus Goslar und anderen urigen Lokalen, von denen es zahlreiche gibt, genießen. Der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt lockt jedes Jahr Menschenmassen aus aller Welt an. Verständlicherweise, bietet doch die ansprechende Kulisse aus alten Fachwerkhäusern einen perfekten Rahmen für eine Einstimmung auf die Weihnachtszeit.
Dank der langen Geschichte Goslars gibt es an vielen Stellen innerorts Museen, die man während eines Urlaubs besichtigen sollte. Die wichtigsten sind, neben den weiteren Attraktionen, die Goslar für eine Reise interessant machen:

10 Attraktionen in Goslar:

  1. Kaiserpfalz mit Sommersaal und Gemälden
  2. Rammelsberg (Bergwerksmuseum mit Grubenbahn)
  3. Der Zwinger (Batterieturm, Museum des späten Mittelalters, Restaurant und Ferienwohnungen)
  4. Goslarer Museum (Stadtgeschichte und Geologie)
  5. Nordturm der Marktkirche (Aussicht aus etwa 60m Höhe)
  6. Zinnfigurenmuseum in der Lohmühle (Ausstellung & Selber gießen)
  7. Weihnachtsmarkt Goslar (auch nach Heiligabend geöffnet)
  8. Breite Tor (Stadttor von Goslar aus dem 15. Jahrhundert)
  9. Denkmal der Goslarer Jäger (Hannoversches Jäger-Bataillon Nr. 10)
  10. Gildehaus Kaiserworth und Hotel Schiefer mit Glockenspiel am Marktplatz

Wusstet ihr, dass in Goslar…

Bild von Fachwerkhäusern in der Goslarer Altstadt, die ein Weltkulturerbe ist, wie der Rammelsberg und die Oberharzer Wasserwirtschaft auch.
Manchmal scheint in Goslar die Zeit still zu stehen. Die Altstadt von Goslar gehört nicht umsonst zusammen mit dem Rammelsberg und dem Oberharzer Wasserregal zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Goslar mag zwar keine Großstadt sein, doch hat diese Stadt für seine eher kleine Größe eine doch recht bewegte Geschichte, mit all ihren guten und schlechten Zeiten. Hier ein paar interessante Fakten rund um die Stadt Goslar, ihre Geschichte und ihre Gegenwart.

  • Im Landkreis Goslar gibt es drei mögliche Kfz-Kennzeichen: GS (Goslar), CLZ (Clausthal-Zellerfeld) und BRL (Braunlage) – dies ist unabhängig vom tatsächlichen Wohnort im Landkreis. Man hat in Goslar also die Wahl zwischen drei Kennzeichen. Gleiches gilt für andere Städte des Landkreises Goslar wie beispielsweise Altenau oder Schulenberg.
  • Goslar war während des Dreißigjährigen Krieges unter anderem von schwedischen Truppen besetzt. Im und am Harz gab es in diesem Zusammenhang kriegerische Auseinandersetzungen zwischen dem schwedischen König Gustav II. Adolf und dem kaiserlichen Feldherrn Graf Tilly.
  • Aufgrund von schlechtem Wirtschaften und einer hohen Schuldenlast verkam Goslar zeitweise im 18. Jahrhundert, sodass Goethe nach einem Besuch von einer „vermoderten Reichsstadt“ sprach. Auch Heinrich Heine, der den Harz bereiste und seinen Reisebericht als „Die Harzreise“ veröffentlichte, zeigte sich von Goslar in seinem damaligem Zustand nicht begeistert.
  • Der Marktbrunnen-Adler in Goslar ist eine Kopie des Originals, welches im Goslarer Museum besichtigt werden kann. Der Goslarer Adler ist aus Bronze kopiert worden und schmückt derzeit den Brunnen des Marktplatzes. Man achte auf den merkwürdigen Gesichtsausdruck des Adlers!
  • In den Dreißiger Jahren diente Goslar als sogenannte „Reichsbauernstadt“ der Nazi-Propaganda. Mehrmals fanden die „Reichsbauerntage“ in Goslar statt, wo sich Walther Darré mit der „Blut und Boden“- Ideologie als „Reichsbauernführer“ in Szene setzte. 1937 fiel die jährliche Veranstaltung aufgrund der Maul- und Klauenseuche aus.
  • In Goslar findet jährlich der Verkehrsgerichtstag statt, bei welchem sich die Experten zu aktuellen rechtlichen Fragen im Verkehr austauschen. Ein aktuelles Thema war beispielsweise die Nutzung von Dashcams im öffentlichen Straßenverkehr.
  • Der spätere Generalfeldmarschall Rommel war zu Beginn der Dreißiger Jahre als Major Kommandeur des III. Bataillons des 17. Infanterieregiments in Goslar. Auch andere bekannte Militärs gehörten zeitweise den „Goslarer Jägern“ an – zum Beispiel Heinz Guderian oder Hans Krebs.
Goslarer Adler vom Marktbrunnen in der Goslarer Altstadt.
Der Marktbrunnen in Goslar mit der Kopie des Goslarer Adlers. Das Original befindet sich im Stadtmuseum.
  • Im Goslarer Stadtteil Jürgenohl befindet sich ein ehemaliger Fliegerhorst, der in den Zwanziger und Dreißiger Jahren zunächst zivil genutzt wurde. Im Zweiten Weltkrieg waren diverse Luftwaffeneinheiten dort stationiert. Die Startbahn wurde nach dem Krieg bebaut. Zuletzt betrieb die Bundeswehr den Standort als „Fliegerhorst“, obwohl es sich um eine normale Kaserne handelte. Der Standort in Goslar ist mittlerweile aufgegeben worden.
  • Der erste Parteitag der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten CDU fand im Oktober 1950 im Odeon-Theater in Goslar statt. Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde auf diesem Parteitag mit einer großen Mehrheit zum Parteivorsitzenden gewählt.
  • Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Goslar ein Kräuterheilbad errichtet, welches bald unter Kurgästen eine so große Bekanntheit erreichte, dass sogar die Hannoversche Königsfamilie dort kurte. Dies führte wieder zu einem wirtschaftlichen Aufschwung in der ehemaligen Kaiserstadt Goslar.
    Der SPD-Politiker Sigmar Gabriel stammt aus Goslar und hat dort noch seinen offiziellen Wohnsitz. In den Medien wurde Gabriel aufgrund seiner Körperfülle einst als „Harzer Roller“ bezeichnet.
  • Bis 1988 wurde am Goslarer Rammelsberg Bergbau betrieben. Bis dahin war insgesamt ca. 1.000 Jahre lang Erz am Rammelsberg abgebaut worden. 1992 wurde das Bergwerk zum UNESCO-Weltkulturerbe. Heute kann man das Bergwerk besichtigen und sich über die Geschichte des Rammelsbergs informieren. Man erreicht den Rammelsberg recht schnell von der Goslarer Innenstadt aus.
    Auch die Goslarer Altstadt mit ihren vielen alten Fachwerkhäusern samt dem nahe gelegenen Oberharzer Wasserregal gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und genießt einen entsprechenden Denkmalschutz.
  • Werner Siemens, der den Grundstein für den heutigen Siemens-Konzern legte, stammte aus einem alten Goslarer Stadtgeschlecht. In Goslar befindet sich noch heute das Siemenshaus. Es handelt sich um ein altes Fachwerkhaus, welches 1693 fertiggestellt wurde. Im Rahmen von Themenführungen etwa kann dieses besichtigt werden.
  • Das Goslarer Schützenfest gehört zu den 30 größten Schützenfesten in Deutschland. Es findet jährlich auf dem mehr als 85.000 m2 großen Osterfeld im Juli für die Dauer von 10 Tagen statt. Abgerundet wird das Goslarer Schützenfest von einem Feuerwerk vor der Kulisse des Harzes.
  • Goslar gehörte zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert der Hanse an, um sich gegenüber möglichen Feinden effektiv sichern zu können. Der Handel spielte dabei eine eher untergeordnete Rolle, primär ging es um Politik.

Goslar im Fazit: Auch am Harz lohnt sich ein Urlaub!

Bild des Zwingers in Goslar, wo sich das Museum des Spätenmittelalters, ein Restaurant sowie Ferienwohnungen befinden.
Der Goslarer Zwinger. Hier gibt es das Museum des Späten Mittelalters. Daneben wird im Zwinger auch ein Restaurant betrieben und Ferienwohnungen angeboten.

Bei einem Urlaub in Goslar stehen einem viele Möglichkeiten offen. Es kann ein Harzurlaub werden, muss es aber nicht. Alleine die Kulisse des Harzes ist in dieser mittelalterlichen Stadt mit gutem Erhaltungsgrad schon etwas Besonderes. Die Stadt hat viel zu bieten, sodass der Geschichts- und Kulturinteressierte mehr als fündig wird. Dabei ist die Bandbreite groß – ob Museum, Gebäude oder Denkmal. Auch verfügt Goslar über gute Shoppingmöglichkeiten, eine sehr abwechslungsreiche und ansprechende Gastronomie sowie über zahlreiche interessante Unterkünfte.
Aufgrund der kurzen Distanz zum Oberharz eignet sich Goslar gleichermaßen für einen Harzurlaub. Ein paar Minuten Autofahrt Richtung Clausthal-Zellerfeld bzw. Hahnenklee-Bockswiese und schon befindet man sich in der typischen Landschaft des Oberharzes mit Bergen und Nadelwäldern. Bad Harzburg als Tor zum Hochharz ist nur etwas mehr als 10 km entfernt.
Ebenfalls kann ein Goslarbesuch in Frage kommen, wenn man sich im Rahmen eines Urlaubs im eigentlichen Harz befindet. Goslar ist immer eine Reise wert, im Sommer wie im Winter!