Das Luftfahrtmuseum Wernigerode: Ganz anders als andere Museen!

Das Luftfahrtmuseum ist ein klarer Tipp, wenn man sich zum Urlaub oder für einen Ausflug in Wernigerode oder dem Harz aufhält.
Das Luftfahrtmuseum in Wernigerode ist mehr als eine Alternative zu den bekannten Attraktionen der Region. Eine interessante Ausstellung, zwei aufwendig gestaltete Flugsimulatoren und weitere Ausstellungsstücke begeistern jung und alt. Links hinein geht es zum Flugsimulator, bei dem man eine Messerschmitt Me 109 auf verblüffende Weise fliegen kann.

Wer an den nördlichen Harzrand kommt, um Urlaub zu machen oder vielleicht auch nur um einen Ausflugstag zu genießen, der trifft mit Wernigerode keine schlechte Wahl. Östlich von Ilsenburg und der bekannten Kaiserstadt Goslar gelegenen, ist es nicht nur die wirklich sehr hübsche und gepflegte Innenstadt selbst, die Wernigerode so attraktiv macht. Man denke nur an den Brocken, der zum Greifen nah scheint oder an die vielen Wanderwege drum herum. Dabei ist dieses Luftfahrtmuseum selbst ein Grund, nach Wernigerode zu kommen. Luftfahrtenthusiasten kann man wirklich empfehlen, einen Tag dort einzuplanen und notfalls auf andere Dinge zu verzichten, denn das Luftfahrtmuseum verfügt auf etwa 6.000qm über eine tolle Sammlung an Flugzeugen und Hubschraubern aus den verschiedensten Epochen und Ländern. Gerne möchte ich Euch einen Einblick in dieses Museum geben, das wir bereits drei Mal besucht haben.

Das Luftfahrtmuseum Wernigerode ist zwar nicht so bekannt wie beispielsweise die Harzer Schmalspurbahn oder der Brocken, doch gerade bei schlechtem Wetter ist ein Besuch dort sehr empfehlenswert. Für Luftfahrtenthusiasten ist das Museum hingegen zu jeder Jahreszeit ein absolutes Muss.

Das Luftfahrtmuseum befindet sich zentral im ehemaligen Elmo-Werkgelände von Wernigerode.

Das heutige Luftfahrtmuseum Wernigerode ist der Sammelleidenschaft von Clemens Aulich zu verdanken, der Anfang der 90er Jahre mit der Privatisierung des Elmo-Werksgeländes betraut war. Hier konnte Clemens Aulich seiner Leidenschaft für das Sammeln von Luftfahrzeugen nachgehen, denn Platz war genug vorhanden. Offiziell eröffnet wurde das Museum dann im Jahr 1999 und seitdem immer erweitert und ausgebaut. Damit wird der sich ständig vergrößernden Sammlung Rechnung getragen, die sich sehen lassen kann. Zuletzt kam 2016 eine neue Halle hinzu, die zugleich als Eventlocation gebucht werden kann – was wir auch schon erleben durften. Die Parkplatzsituation ist als sehr gut zu bezeichnen. Die Nutzung des Parkplatzes direkt vor dem Museum ist kostenfrei. Bisher habe ich noch keinen Zeitpunkt erlebt, in denen es keinen freien Parkplatz mehr vor dem Museum gab. Zudem ist das Luftfahrtmuseum Wernigerode relativ zentral gelegen, ganz unweit der Altstadt und dem Bahnhof samt Anschluss an die Harzer Schmalspurbahn in Richtung Brocken. Somit empfiehlt sich auch dann ein spontaner Besuch, wenn man nur kurz in Wernigerode verweilt.

Foto des Cockpits einer Antonow AN-2 im Luftfahrtmuseum Wernigerode.
Im Luftfahrtmuseum Wernigerode erhält man auch Einblick in eine Vielzahl an Cockpits. Hier das Cockpit einer Antonow AN-2, dem größten einmotorigen Doppeldecker der Welt. Ein komplettes Exemplar dieses beeindruckenden Flugzeugs russischer Herkunft steht direkt neben diesem Cockpitsegment. Die Bauweise ist teilweise richtig simpel, wie man es sich für die Luftfahrt kaum vorstellen mag.

Jets, Propellermaschinen und Hubschrauber: Ein große Vielfalt im Museum.

Die Exponate des Luftfahrtmuseums Wernigerode stammen aus verschiedenen Perioden der zivilen und militärischen Luftfahrt. So befindet sich in der ersten Halle neben einem Trainer der ehemaligen Luftwaffe des Herstellers Bücker, deren einfache Holzstruktur bestens zur Wirkung kommt, ein Nieuport 11-Jagdflugzeug aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Nicht weit entfernt steht ein Exemplar der Antonow An-2, dem größten einmotorigen Doppeldecker der Welt. Für Jet-Fans wird dann insbesondere der Hanger 4 besonders spannend, da man dort unter anderem eine F-104G Starfighter sowie diverse MiGs findet. Besonders selten ist die Hindustan Aeronautics HF 24, ein in Indien entwickelter und produzierter Jagdbomber, vom dem insgesamt nur 129 Stück hergestellt worden sind. Trotz der sehr eleganten und fortschrittlichen Aerodynamik – das Flugzeug ist optisch echt ein Hingucker – konnte dieses Luftfahrzeug seine volle Leistungsfähigkeit nicht völlig entfalten, da zum damaligen Zeitpunkt in Indien keine modernen Strahltriebwerke zur Verfügung standen. Quasi ein Porsche mit dem Motor eines Trabants. Alle Ausstellungsstücke des Luftfahrtmuseums Wernigerode einzeln zu beschreiben, würde viele Seiten in Anspruch nehmen, zudem wollen wir nicht zu viel vorwegnehmen. Schön ist: An jedes Flugzeug kann man echt nah heran und teilweise gut hineinschauen, da es oftmals Treppen gibt. Man ist wirklich unmittelbar im Geschehen. Richtig gut ist auch der neue Museumsguide per App, der viel Hintergrundwissen und Geschichten zu den einzelnen Exponaten liefert.

Ausstellungsstücke des Luftfahrtmuseums Wernigerode (Auswahl)

Diese Bell UH-1D ist im Hanger 3, des Luftfahrtmuseums Wernigerode ausgestellt, wo man auch den Flugsimulator der Messerschmitt Me 109 findet.
Die Bell UH-1D, auch bekannt unter dem Namen „Huey“, findet man im Hanger 3 des Luftfahrtmuseums. Dieser Hubschrauber hat u.a. das öffentliche Bild des Vietnamkriegs geprägt. Bei dem Exemplar auf dem Foto handelt es sich um eine Maschine der Bundeswehr – und zwar des Heeres, nicht der Luftwaffe.

• Antonow An-2
• Bell UH-1D
• Bölkow Bo 105
• Dassault Mirage III
• Lockheed F-104G Starfighter
• Mikojan-Gurewitsch MiG 21
• Mikojan-Gurewitsch MiG-23
• Westland Whirlwind H.A.R. Mk 10
• Sammlung an Schleudersitzen
• Diverse Cockpits (z. B. Focke-Wulf FW 190, Spitfire) und Instrumente
• Private Dokumente und Bilder eines Luftwaffenpiloten aus dem Zweiten Weltkrieg

Nur das Segment der Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg ist etwas unterrepräsentiert. Dies verwundert jedoch nicht, denn die entsprechenden Oldtimer und Warbirds sind auf dem internationalen Markt sehr gefragt und nur zu unverschämt teuren Preisen, wenn überhaupt verfügbar, zu beschaffen. Dennoch hat man in Wernigerode diese Zeit der Luftfahrt nicht ausgelassen.

Das Museum verfügt mit seinen zahlreichen Hallen über eine große Vielfalt an Ausstellungsstücken. Mehrere Zeiträume der Luftfahrt werden anschaulich dargestellt – und viele der Luftfahrzeuge haben auch eine ganz besondere, sehr persönliche Geschichte. Für jeden ist etwas dabei.

Das Technikteam des Museums kümmert sich um die Aufbereitung und um Sonderanfertigungen, etwa für Filmaufnahmen. Schon Steven Spielberg hat den Nachbau von Cockpits in Auftrag gegeben und auch für weitere namhafte Produktionen wurden Flugzeuge aus Wernigerode eingebunden.

Im Mittelpunkt der Ausstellung: Die F-104G Starfighter.

Lockheed F-104G Starfighter mit geöffntem Cockpit und offenen Wartungsdeckeln im Luftfahrtmuseum Wernigerode.
Am meisten hat mich in der Ausstellung des Luftfahrtmuseums Wernigerode der Starfighter beeindruckt. Diese berüchtigte Maschine wurde Anfang der 1960er Jahre in die Bundesluftwaffe eingeführt und wurde bis Ende der 1980er Jahre von dieser betrieben. Der letzte Flug eines deutschen F-104G Starfighters erfolgte 1991 durch die WTD 61 in Manching.

Die F-104G Starfighter ist ein besonders berühmtes Flugzeug der Bundesluftwaffe, welches insbesondere in negativer Hinsicht Berühmtheit erlangte, jedoch bei vielen Menschen – einschließlich ehemaliger Piloten – noch bis heute eine immense Faszination ausübt. Probleme mit dem Nachbrenner und der Elektronik sowie weitere technische Unzulänglichkeiten führten in den 1960er Jahren zu zahlreichen Abstürzen. Der Schleudersitz war nicht ausgereift und die Schubdüse konnte im Ausfall zu einem ungewollten Schubverlust führen. All dieses Probleme und weitere technische Unzulänglichkeiten resultierten in einer schier endlosen Zahl an Abstürzen und getöteten Piloten – und damit in der sogenannten Starfighter-Krise. Kein Wunder also, dass die F-104G im Volksmund auch als „Witwenmacher“ oder „Sargfighter“ bekannt war. Trotz dieser unrühmlichen Geschichte des Starfighters ist es ein wirklich faszinierendes Ausstellungsstück, das offensichtlich auch heute noch viele Besucher des Museums anzieht und den Ausstellungsraum einnimmt. Dies verwundert nicht, denn steht man vor der F-104 G, denkt man eher an eine bemannte Rakete als an ein Flugzeug – insbesondere, wenn man sich die kurzen Flügel mit ihren scharfen Kanten aus der Nähe anschaut. Besonders interessant ein ausgebautes Triebwerk sowie ein Rumpfsegment eines Starfighters, in welchem der Tank noch verbaut ist. So erhält man einen ganz guten Eindruck des inneren Aufbaus des F-104G und erkennt die Komplexität, mit der Flugzeuge schon in den 1950er und 1960er Jahren gebaut wurden.

Der Starfighter, bei dem es sich offiziell um die Lockheed F-104G handelt, ist ein sehr bekanntes Flugzeug, das insbesondere für eine lange Absturzserie in Erinnerung geblieben ist. Trotz dieser unrühmlichen Geschichte ist die F-104G Starfighter ein beliebtes Ausstellungsstück in Luftfahrtmuseum. In Wernigerode ist sogar ein zweiter Starfighter in Teilen aufgeschnitten worden, sodass man einen Einblick in das Innere dieses Jagdbombers erhält.

Die Flugsimulatoren des Luftfahrtmuseums Wernigerode: Me 109 und UH-1D fliegen.

Foto des Bell UH-1D Flugsimulators im Luftfahrtmuseum Wernigerode. Dieser neue Simulator eines Hubschraubers dürfte sehr kompliziert zu fliegen sein.
Ein Highlight im Luftfahrtmuseum Wernigerode ist der neue Flugsimulator einer Bell UH-1D. Die Messerschmitt Me 109 ist im Simulator schon nicht einfach zu fliegen, doch ein Hubschrauber dürfte noch deutlich komplizierter sein. Die Preise für beide Flugsimulatoren sind fair und eine wirklich nette Geschenkidee für Luftfahrtenthusiasten.

Beide Flugsimulatoren bieten ein besonders authentisches Gefühl; natürlich ganz anders, als wenn man einen Flugsimulator am PC spielt. In der Messerschmitt Me 109 merkt man erst einmal, wie klein und eng die Cockpits deutscher Jagdflugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg waren. Dem Flugspaß wird dadurch jedoch kein Einhalt geboten. Das gesamte Flugverhalten wirkt sehr real und man bekommt ein erstes Gespür dafür, wie schwierig Fliegen sein muss. Ist das Starten schon eine gewisse Herausforderung, so ist die Landung als Anfänger kaum zu meistern. Gott sei Dank handelt es sich nur um eine Simulation! Die Unterstützung und Hilfe durch den Betreuer des Simulators war immer super (und nötig). Wir hatten den Simulator für einen Geburtstag gebucht und waren, wie so oft im Museum, positiv überrascht. Im Sommer wird man etwa darauf hingewiesen, dass es in den Hallen kalt sein kann: Alle Mitarbeiter des Luftfahrtmuseums Wernigerode sind ohnehin sehr freundlich, was insgesamt für eine sehr angenehme Atmosphäre sorgt. Aktuell ist auch ein Flugsimulator für die Bell UH-1D in Betrieb genommen worden. Auch hier sitzt man in einem echten Cockpit, das durch eine Spezialfirma zum Simulator ausgebaut worden ist. Bei diesem Simulator sollte man aber bedenken, dass das Fliegen von Hubschraubern nochmals wesentlich schwieriger ist als das Steuern von alten Propellermaschinen wie der Me 109! Die Preise für beide Simulatoren sind fair und man kann auch Gutscheine kaufen, wenn man etwas Besonderes – nicht nur an Flugzeug-Fans – verschenken möchte. Ich muss jedenfalls noch ordentlich üben, um beim Landen nicht zu zerschellen.

Wer es mal wagen möchte, eine Me 109 im original nachgebautem Cockpit oder eine Bell UH-1D zu fliegen, ist hier richtig. Sowohl das klassische Jagdflugzeug sowie der als Huey bekannte Hubschrauber bereiten in der Simulation viel Spaß und sorgen für höchste Konzentration, wenn es um das Starten und vor allem um das Landen geht!

Das Luftfahrtmuseum Wernigerode im Fazit: Immer ein Besuch wert!

Fiat G.91 Gina der Luftwaffe in Sonderbemalung wie sie im Luftfahrtmuseum Wernigerode im Hangar 4 steht.
Hier eine Fiat G-91 der Luftwaffe in Sonderbemalung. Dieses Flugzeug wurde auch „Gina“ genannt. Trotz eines Bestands von 450 Exemplaren gehört dieses Flugzeug zu den weniger bekannten der Luftwaffe. Die Tigerbemalung sieht einfach interessant aus.

Ich war von den Luftfahrtmuseum in Wernigerode wirklich sehr beeindruckt. Es stellt aus meiner Sicht mehr als einen echt gelungenen Ausflugsort dar, der mit den deutlich bekannteren Attraktionen in und um Wernigerode wie mit der Harzer Schmalspurbahn und dem nahe gelegenen Brocken wirklich mithalten kann. Die Preise sind moderat, was insbesondere auch für das Museum spricht und das gesamte Museum ist barrierefrei. Somit ist das Luftfahrtmuseum ebenfalls für Familien mit Kindern geeignet, wobei für jeden mit Sicherheit etwas Interessantes dabei ist. Kinder können z.B. in ein altes Flugzeug der Schnödt Airline klettern. Luftfahrtenthusiasten werden selbstverständlich einen Besuch im Luftfahrtmuseum Wernigerode fest einplanen, wenn sie Urlaub im Nordharz machen. Darüber hinaus gibt es eine sehenswerte Sammlung von alten Radios, Fernsehgeräten und weiteren spannenden Artefakten, die immer am Wochenende geöffnet hat.

Demnächst soll noch eine C-160 Transall das Dach des Luftfahrtmuseums Wernigerode schmücken. Man bleibt gespannt, was für Exponate noch in Zukunft die Sammlung ergänzen werden.

10 gute Gründe für einen Urlaub im Harz!

Ein paar weitere Bilder vom Luftfahrtmuseum Wernigerode!

Öffnungszeiten

  • Montag – Sonntag (auch an Feiertagen): 10:00 bis 18:00 Uhr
  • Letzter Einlass um 16:30 Uhr
  • Am 24. / 25. Dezember und am 01. Januar geschlossen

Preise

Eintrittspreise (inkl. 70-minütiger Audioführung)

• Kinder bis 5 Jahre: Eintritt frei
• Kindergartengruppen: Eintritt frei
• Kinder und Jugendliche (6 bis 15 Jahre): € 4,00
• Schulgruppen (bis Klasse 13): € 4,00 / Schüler
• Erwachsene : € 8,00
• Ermäßigte (Rentner, Studenten, Schwerbehinderte): € 7,00
• Familienkarte (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder): € 23,00
• Familienkarte (1 Erwachsener und bis zu 3 Kinder): € 15,00
• Gruppen (ab 20 Teilnehmer): € 7,00 / Erwachsener

Führungen

• 90-minütige Führung (bis zu 25 Teilnehmer): € 40,00
• 60-minütige Führung für Kinder- und Schulgruppen (bis zu 25 Teilnehmer): € 0,00

Preise für die Flugsimulatoren

Messerschmitt Me 109 (inkl. Einweisung und Betreuung)

• 15 Minuten: € 25,00
• 30 Minuten: € 40,00
• 60 Minuten: € 70,00

Bell UH-1D (inkl. Einweisung und Betreuung)

• 30 Minuten: € 50,00
• 45 Minuten: € 70,00
• 60 Minuten: € 90,00

Anfahrt und Kontaktdaten

Luftfahrtmuseum Wernigerode
Gießerweg 1
38855 Wernigerode

Telefon: 03943 / 633 126
Fax: 3943 / 633 127
E-Mail: info@luftfahrtmuseum-wernigerode.de


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