Die Stauffenburg im Harz

Von Bergbau, Witwen und Bärlauch…

Moos, heller Laubmischwald und die alte Evalinde, ein Naturdenkmal: Schön ist es schon an der Stauffenburg. Zwischen Seesen und Gittelde bzw. Bad Grund gelegen, muss man erst einmal ein bisschen suchen, wenn man die L243 verlässt, denn ausgeschildert ist sie nur von Gittelde aus kommend. Aber wer navigiert sich nicht längst anders? Vielleicht nicht ganz so spektakulär wie die Burg Regenstein oder die Stapelburg mit der herrlichen Aussicht, versteckt die Stauffenburg sich zunächst ein bisschen. Von der Stauffenburg übrig sind heute einige mossbedeckte und restaurierte Mauerreste, es ist also eine klassische Ruine. Im 11. Jahrhundert zur Sicherung der thüringischen Heerstraße erbaut, wurde sie stetig umgebaut und erweitert. In Gittelde wurde um diese Zeit zudem Bergbau betrieben, sodass die Burg, dessen Name sich von der ansässigen Familie dort ableitet, den Betrieb sicherte.

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Die Ursprünge der Stauffenburg und ihre Rolle für den Oberharzer Bergbau

Im 14. Jahrhundert war die Stauffenburg ein wichtiger Ort für den Bergbau im Oberharz.

Eine schöne Ansicht der Ruine der ehemaligen Stauffenburg am Harz bei Gittelde bzw. Bad Grund gelegen.
Bei der Stauffenburg handelt es sich heute um eine typische Burgruine mit dem entsprechenden Flair. Der Weg hinauf zur ehemaligen Burg ist auch nicht sonderlich anstrengend, sodass der Besuch für jung und alt in Frage kommt.

Erbaut wurde die Stauffenburg (auch Staufenburg geschrieben) von den Grafen der Katlenburg und die erste urkundliche Nennung ist auf 1154 datiert. Wie so oft zu der Zeit wurde die Burg weiter verpfändet – und zwar von Heinrich dem Löwen, der die Burg einst erbte, an Adlige. 1180 erfolgte auf dem Reichstag von Würzburg für Heinrich den Löwen die Burgen die Aberkennung der Lehen Sachsen und Bayern aberkannt, sodass nun sein Vetter Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Stauffenburg sein eigen nannte. Ständige Besitzerwechsel folgten. Für den Harzer Bergbau blieb die Stauffenburg jedoch stets eine zentrale Verwaltungsstelle, etwa für das herzogliche Amt für das Bergwerks- und Hüttenwesen in Gittelde im 14. Jahrhundert. Einen weiteren architektonischen Ausbau erfuhr die heutige Ruine unter Herzogin Elisabeth zu Stolberg, die ab 1495 für 27 Jahre ihren Witwensitz dort hatte. Die Mutter Heinrichs des Älteren von Braunschweig-Wolfenbüttel brachte den Bergbau im Harz deutlich voran, indem Sie fähige Bergleute u.a. aus Stolberg nach Gittelde holte.

Die Stauffenburg als Versteck für Eva von Trott

Die heutige Ruine war der Ort einer Liebesgeschichte des 16. Jahrhunderts, die es heute vermutlich ohne Probleme in die Yellowpress geschafft hätte.

Auf der Stauffenburg am Harz findet man viele moosbedeckte Mauerreste.
Die Mauerreste zeugen von der einst sehr stabilen Bauweise der Stauffenburg. Heute sind die Reste mit viel Moos bedeckt.

Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel ließ der Stauffenburg einen anderen Zweck zukommen, von dem noch heute die Evalinde an der Burg zeugt: Benannt ist dieser Baum, ein Naturdenkmal wie auch die schöne Linde an der Stapelburg, nach Eva von Trott. In Zahlen: 9 Jahre war sie auf der Stauffenburg die Geliebte Heinrich des Jüngeren, die dort heimlich wohnte und vorher kreativerweise ihren Pesttod vortäuschte. Verbrannt wurde lediglich eine Puppe im Rahmen ihres Scheinbegräbnisses, welches auch Martin Luther entzürnte. 10 Kinder (von 1532 bis 1541) gingen aus der Verbindung hervor. Der Name „Wilder Heinz von Wolfenbüttel“, wie Heinrich der II. genannt wurde, verwundert demnach wenig. Das Agieren des letzten katholische Fürstes im niedersächsischen Raum, der auch dann noch stets dem Katholizismus treu blieb, als Goslar und Braunschweig längst reformiert waren, spielte für den Bergbau im Harz ebenfalls eine zentrale Rolle. Auf Heinrich den Jüngeren geht die Gründung zweier bekannter Hütten im Harz zurück, und zwar die Bleihütte Oker, ehemals Frau-Marien-Hütte, mit ihrer Gründung 1527 und Frau-Sophien-Hütte in Langelsheim 1556.

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Erneuter Witwensitz, Krankenstation und die Stauffenburg als Gefängnis

Der Weg hoch zur Ruine Stauffenburg am Harz.
Das ist der Weg hinauf zur Stauffenburg. Andere Routen sind gefährlich und dürfen nicht genommen werden! Entsprechende Hinweisschilder waren davor. Dieser Weg ist nich allzu steil, sodass ein wenig Anstrengung mit einem tollen Blick belohnt wird.

Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel hatte unter anderem eine Schwester, Margarethe. Diese bewohnte die Stauffenburg ab 1569 nach dem Tod ihres Mannes, Herzog Johann von Münsterberg und sollte für die kommenden elf Jahre dort bis zu ihrem Tod Bedürftigen und Kranken Hilfe zukommen lassen. Weniger harmonisch wurde der weitere Verlauf der Geschichte der Stauffenburg nur wenige Jahre später: Ab 1588 beherbergten die Mauern der Burg am Harzrand Margarethe von Warberg, eine Äbtissin des Stifts Gandersheim. Angeklagt wegen des Mordes an ihrem unehelichen Kind, verbüßte die Dame ihre Haftstrafe auf der Stauffenburg bis zum Jahr 1597. Sie durfte sich auf der Burg jedoch relativ frei bewegen. Nach einer Zeit als Amtsverwaltungssitz von 1600 – 1713 kam der Stauffenburg erneut die Funktion eines Gefängnisses bis zum Jahr 1778 zu, und zwar der des Staatsgefängnisses der Welfen.

Stetiger Verfall der Stauffenburg bis zur heutigen Ruine

Wo sind denn nur die Steine der Stauffenburg geblieben?

Die Evalinde führt auf Eva von Trott zurück, die Geliebte auf der Stauffenburg.
Die Evalinde ist ein beeindruckend alter Baum. Der Name erinnert an einen Skandal, der sich mehrere Jahre lang auf der Burg abspielte.

Aufgrund der Tatsache, dass der Amtsverwaltungssitz aufgegeben wurde und die Stauffenburg als solche nur noch als Steinlieferant für die umliegenden Häuser der Domäne diente, war sie dem kontinuierlichen Verfall preisgegeben. Viel ist heute nicht mehr von der Stauffenburg übrig, dennoch gibt es einige herrlich vermooste Mauerreste, einen Rastplatz sowie die Evalinde zu sehen, an deren Rand sich Erdsterne finden. Einen Aussichtspunkt mit Weitblick findet man ebenfalls auf der Stauffenburg, dazu weitläufige Wanderwege in der schönen Landschaft der südwestlichen Harzrandes – und, eine für uns großartige Überraschung im Frühjahr: Bärlauch. Genauer gesagt, einen riesigen Bärlauchteppich, der nicht nur unverkennbar riecht, sondern wegen seiner straßenfernen Lage und der Position außerhalb des Harzrandes gut für die Ernte eignet. Vergleicht man historische Ansichten der Stauffenburg wie etwa hier zu sehen, dann kann man nur mit ausgesprochen viel Fantasie einen Bezug zum heutigen Ruinendasein herstellen. Dazwischen liegen Welten!

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Stauffenburg als Ausflugsziel am Harz: Sehr empfehlenswert

Die Staffenburg ist eine tolle Ruine, die sich einer großen Beliebtheit bei Wanderern und Harzurlaubern erfreut. Der dortige Wald ist zudem von Zeit zu Zeit eine schöne Abwechslung zu den Nadelwäldern des Oberharzes.

Heute ist die Stauffenburg nicht zuletzt aufgrund ihrer günstigen Lage bei Gittelde und Seesen ein beliebtes Wanderziel, bei dem wir mit Bärlauch und seltenen Pilzen überrascht wurden. Auch wenn dort nicht mehr viel von der eigentlichen Burg im Harzer Vorland übrig ist, sind die moosigen Mauern wirklich fotogen und die umgebenden Wanderwege schön weitläufig, was besonders für Ausflügler mit Hund ein Pluspunkt ist. Der Frühling ist im Harzer Vorland tatsächlich immer schon deutlich weiter als im kühlen Oberharz.

Weitere Fotos der Stauffenburg in der Gallerie!

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Lisa
Harz- und naturbegeistert, Faible für Fotografie im Allgemeinen und Vintage-Linsen im Speziellen. Hunde ♥ Bäume ♥ Wälder ♥ Wiesen ♥ Teiche ♥ Natur

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