Harzer Roller: Fliegender Käse im Harz?

Bild eines Harzer Rollers, bei dem es sich um Harzkäse bzw. Harzer Käse handelt.
Das ist doch ein Harzer Roller? Die Antwort ist recht überraschend, wie dieser Artikel zeigen wird!

Nein. Nicht selten rümpfen Menschen die Nase, wenn sie das Wort „Harzer Roller“ hören, denken sie doch an eine herbe Käsesorte, die einen ganz besonderen Eigengeruch hat. Der Harzkäse hat durchaus seine Fans und ist oft in Form mehrerer aneinandergereihter Rollen erhältlich – daher die Produktbezeichnung „Harzer Roller“, die man nicht selten in den Kühlschränken der Supermärkte findet. Doch früher war mit dem Harzer Roller eigentlich etwas völlig anderes gemeint!

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Harzer Käse – Traditioneller Käse mit starkem Geschmack…

Typisch für den Harzer Käse ist, neben dem strengen Geruch, auch ein kräftiger, pikanter Geschmack, der mit dem Reifungsgrad zunimmt. Die Laibe des Harzer Käses sind nicht ausgereift, wenn sie verpackt werden, sondern reifen noch im Laden sowie beim Konsumenten nach. Dies erkennt man daran, dass der Harzer Käse mittig im Leib eine krümelige Masse hat, die nach und nach verschwindet, indem sie sich zu dem bekannten gelb-bräunlichen Käse entwickelt. Je länger der Harzer Käse reift, umso intensiver schmeckt er. Diese Käsesorte deckt daher eine große Bandbreite an Geschmäckern ab. Gerade in der frühen Reifephase ist der Harzer Käse ziemlich mild – das genaue Gegenteil gilt kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums.

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10 Fakten zum Harzer Käse / Harzer Roller:

  1. Beim Harzer Käse handelt es sich um einen Sauermilchkäse aus Kuhmilch.
  2. Harzer Käse stammt aus dem nördlichen Vorland des Harzes.
  3. Mit „Harzer Roller“ sind mehrere miteinander verbundene Laibe („Rollen“) Harzer Käse gemeint.
  4. Harzer Käse ist sehr eiweißreich, fett- und kohlenhydratarm (weniger als 10 % Fett in der Trockenmasse) und enthält eine große Menge an Kalzium.
  5. Im Vergleich zu anderen Käsesorten ist der Harzer Käse bzw. der Harzer Roller sehr günstig.
  6. Harzer Käse reift noch in der Verpackung und kann daher in unterschiedlichen Reifegraden genossen werden.
  7. „Harzer Roller“ und „Harzer Käse“ sind als Herkunftsbezeichnung nicht geschützt – beide werden heute nicht mehr im Harz produziert.
  8. Harzer Käse ist eng verwandt mit anderen Käsesorten, beispielsweise dem Korbkäse, dem Olmützer Quargel oder dem Mainzer Käse.
  9. Am besten genießt man den Harzer Käse als eine schlichte Mahlzeit mit Brot, ansonsten ist der Harzer Roller mit Musik (eingelegter Käse) als Gericht der Harzer Gastronomie bekannt.
  10. Über eine Rinde oder eine Edelschimmelschicht verfügt der eigentliche Harzer Käse nicht.

Im Hinblick auf den Harzer Käse kann man sagen, dass dieser aufgrund seines eigenwilligen Geschmacks und Geruchs wirklich eine reine Geschmackssache ist. Harzer Roller eignet sich auf jeden Fall sehr gut im Rahmen einer eiweißhaltigen und kohlenhydratarmen Ernährung und ist für gesundheitsbewusste Menschen eine mögliche Proteinquelle. Kommen wir nun aber zu dem Harzer Roller, der nicht geworfen werden muss, um zu fliegen…

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Der „echte“ Harzer Roller: Ein kleiner, gelber Vogel!

Bild von einem Harzer Roller Kanarienvogel, der ursprünglich aus Sankt Andreasberg im Harz kommt.
Der „echte“ Harzer Roller: Ein süßer gelber Kanarienvogel mit rollendem Gesang! (Quelle: Fotolia)

Offiziell ist der Harzer Roller tatsächlich ein Vogel – und zwar ein Kanarienvogel – wie kann es anders sein – mit gelbem Gefieder. Dieser „echte“ Harzer Roller wurde im Oberharz, insbesondere in der Bergstadt Sankt Andreasberg, gezüchtet und fand weltweit viele Fans, was zu einer enormen Nachfrage führte. Die Zucht und der Verkauf von Harzer Rollern war ein mehr als netter Nebenerwerb für die Oberharzer Berg- und Hüttenleute, die im Bergbau hart arbeiteten und nur wenig verdienten. Mit dem Verkauf eines Vogels war durchaus ein Gewinn in Höhe eines üblichen Wochenlohnes zu erzielen. Kein Wunder also, dass der Harzer Roller in der Bevölkerung des Oberharzes sehr beliebt war. Dabei schaffte es der Harzer Roller sogar in großen Zahlen auf den amerikanischen Kontinent und bis nach Australien. In besten Zeiten gab es beispielsweise alleine in Sankt Andreasberg mehr als 300 Züchter des Harzer Rollers.
Tatsächlich hatte der Harzer Roller auch eine eigene, wenn auch nicht wirklich schöne Aufgabe im Bergbau. Er wurde als eine Art Warnsystem in den Gruben genutzt, um rechtzeitig eine gefährliche Atemluft mit hohem Kohlenmonoxidanteil erkennen zu können. Solche Luftbedingungen waren für die Bergleute lebensgefährlich. Problematisch an Kohlenmonoxid ist die Tatsache, dass man das Gas nicht wahrnehmen kann: Es ist geruch- sowie geschmacklos und ohne Farbe. An dieser Stelle musste der Harzer Roller herhalten, denn Kanarienvögel reagieren auf Kohlenmonoxid wesentlich empfindlicher als Menschen. Dem armen kleinen Vogel blieb nichts anderes übrig, als im Käfig zu sitzen und von den jeweiligen Bergleuten mitgenommen zu werden. Der Harzer Roller fiel bei einem zu hohen Kohlenmonoxidgehalt schlichtweg bewusstlos oder tot um. Meistens traf es bei der Auswahl der Kanarienvögel Hennen, da diese im Vergleich zu männlichen Tieren deutlich geringere Verkaufserlöse erzielten. Dies lag insbesondere daran, dass nur die männlichen Harzer Roller einen Gesang aufweisen. Auch andere Wildvögel kamen in Gruben zum „Einsatz“. Glücklicherweise sind heute keine Vögel mehr als lebende Warnsignale in Bergwerken!

Der Harzer Roller im Überblick

  1. Es handelt sich um einen Kanarienvogel, der vom Kanarengirlitz abstammt.
  2. Der Name „Harzer Roller“ geht auf den „rollenden“ Gesang der männlichen Vögel zurück.
  3. Mit der Zucht und dem Verkauf von Harzer Rollern haben sich die Berg- und Hüttenleute ein Zubrot verdienen können.
  4. Der Harzer Roller wurde im großen Stil, unter anderem in die USA und Australien, exportiert.
  5. Hennen des Harzer Rollers kamen teilweise im Bergbau – zur Vermeidung einer Kohlenmonoxidvergiftung – zum Einsatz.
  6. Die Heimatstadt des Harzer Rollers ist die Bergstadt Sankt Andreasberg im Oberharz, denn dort gab es im 19. Jahrhundert teilweise mehr als 300 einzelne Züchter.
  7. Harzer Roller wurden früher in den sogenannten „Harzbauern“ (Käfige aus Holz) transportiert – meistens wurde diese Aufgabe von den Harzer „Kiepenfrauen“ erledigt.
Bild von Sigmar Gabriel aus Goslar, der von der Presse einst als Harzer Roller bezeichnet wurde.
Einst wurde Sigmar Gabriel von der Presse schon mal als „Harzer Roller“ bezeichnet. Ob er diesen Bezug zu seiner Heimatstadt Goslar mag, ist eher unwahrscheinlich. (Quelle: Dreamstime Image ID: 50041653 Copyright Markwaters | Dreamstime.com http://www.dreamstime.com/markwaters_info)

Wer sich detailliert über den Harzer Roller informieren möchte und Exemplare dieser interessanten Kanarienvogelart treffen will, der wird in Sankt Andreasberg mehr als fündig. Dort gibt es nun schon seit mehr als 10 Jahren das Harzer Roller Kanarienvogel-Museum in Sankt Andreasberg (Link). Das Museum zeigt fundierte Einblicke in die Zucht und Haltung des Harzer Rollers und bietet seinen Besuchern darüber hinaus Führungen an. Das absolute Highlight des Museums sind natürlich die echten Harzer Roller, die man dort bewundern kann.

Der Harzer Roller kann einen bis nach Berlin verfolgen…

Übrigens, böse Zungen brachten den Begriff „Harzer Roller“ im Hinblick auf den aus Goslar stammenden SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel ins Spiel. Mit Sicherheit war dieser über den Vergleich nicht sonderlich erfreut. Dennoch zeigt dieser Vergleich, dass selbst die Großstadtpresse nicht korrekt mit der Bezeichnung „Harzer Roller“ umgeht. Letztendlich ist es fraglich, ob sich Herr Gabriel über den Vergleich mit einem kleinen gelben Kanarienvogel aus seiner Heimatregion besser hätte anfreunden können. Die Antwort werden wir wohl nie erfahren.