Fotografieren mit dem Helios 44-2 58mm 1:2

Einmal Altglas – immer Altglas? Gilt das auch beim Helios?

Weg von den schnell fokussierenden Kit-Objektiven oder lichtstarken Festbrennweiten wie dem Nikon 35mm oder dem 50mm 1.8er hin zu manuellen und sehr alten Objektiven? Ja! Für das Lensbaby etwa habe ich mich nie begeistern können, es schien mir zu…limitiert. Nett und vielleicht kurzfristig etwas, aber an die vielschichtige Welt der traditionellen Objektive kam es nie heran. Das bekannte Bokeh des Helios 44-2 58mm 1:2 hat mir einfach zu gut gefallen, als dass ich hätte daran vorbeigehen können. Eigentlich bin ich zufällig durch einen Bekannten in meiner alten Heimat auf die Spur der alten Objektive gekommen – er hatte immer wechselnde Altglaslinsen bei den Fototouren dabei und besitzt mittlerweile 50 (!) Vintage-Schätzchen. Und da mich das Bokeh und die Abbildungsleistung bei sehr vielen alten Objektiven wirklich positiv überrascht und überaus angesprochen haben, war das erste M42er aus meiner Sammlung ein Helios 44-2. Es kam mit einer Zenit-B, also einer  simplen und robusten russischen 35mm-Kamera aus den Produktionsjahren 1968-1978, mit einem M42-Gewinde. Eine Batterie hat die Zenit-B nicht, dafür eine Selenzelle. Auf unnötiges Drumherum wird wirklich konsequent verzichtet. Verglichen mit heutigen Objektiven, die wie z.B. mein Sigma 17-70 mitunter ebenfalls einige Einschränkungen wie lästige Verzeichnungen, viel chromatische Aberration und ordentliche Vignettierung zu bieten haben, qualitativ erstaunlich gut. Und interessant.

Bokehfoto mit einem russischen Heliosobjektiv 44-2 58mm mit manuellem Fokus.
Mit dem Helios-Objektiv lassen sich tolle Bokehaufnahmen machen. Hier ein schönes Beispiel.

Ein kurzer Ausflug zu den Zenit-Kameras allgemein:

  • hergestellt werden diese bis heute bereits seit 1951, und zwar bei KMZ (Krasnogorski Mekhanicheskii Zavod), nördlich von Moskau und in der BelOMO (Belarusskoe Optiko-Mechanitscheskoe Objedinenie oder auch Belorussian Optical and Mechanical Association). Letztere produziert in einem seit 1995 bestehenden Joint-Venture mit Carl Zeiss unterschiedliche mechanische wie optische Einzelteile. Auch zahlreiche Helios-Objektive kamen von KMZ.
  • viele Zenit E-Modelle wurden eine Zeitlang als Revueflex verkauft über Foto Quelle,
  • bei der Zenit-B gibt es absolut keine Möglichkeit zu schauen, wie viele Aufnahmen man bereits getätigt hat. Weiterfotografieren und einen Ersatzfilm mitnehmen!
  • die Exportnamen der Zenitkameras lauteten ganz unterschiedlich, z.B. Revueflex-B, Phokina, Prinzflex 500, Global, Camron-B,
  • beliebt war, neben dem Helios, auch das Industar-50-2 F3,5 50mm.

Geschichte des Helios 44-2, Versionen und technische Details

Beispielfoto fotografiert im manuellen Fokus mit einem Helios 44-2 58mm.
Mit dem Helios 44-2 58mm werden auch manche eher ungewöhnlichen Fotomotive zum schönen Bokeherlebnis.

Außer bei KMZ und Jupiter wurde das Helios 44-2 noch bei MMZ gefertigt, der Minzk Mechanical Factory, welche 1971 in die BelOMO überging. Im Grunde genommen ist das Helios 44-2 das sowjetische Pendant zum Carl Zeiss Biotar 58mm 2.0, daher rührt auch der Name BioTar Krasnogorski („БиоТар Красногорский“). Immer wieder liest man über das Helios 44-2, dass es schwergängig sei und es das ein oder andere Montagsobjektiv gibt, was so seine Macken hat. Bei Zeiss ist das vielleicht unwahrscheinlicher – und ich mag mein silbernes Tessar sehr, weil es wirklich nur positive Eigenschaften mitbringt, auch wenn die neuere Vergütung der schwarzen Linsen noch ein Qualitäts-Upgrade darstellt. Der Preisunterschied zum Biotar ist jedoch enorm, was besonders für die Anfänger unter den M42-Käufern für das Tessar oder natürlich ein Helios 44-2 spricht. Die ersten Helios-Objektive wurden ab 1958 herstellt und besaßen sage und schreibe 13 Lamellen! Wie sich die einzelnen Helios 44-2-Linsen voneinander unterscheiden, welche Objektanschlüsse es grundsätzlich gibt und weitere Details zum Helios seht ihr in der anschließenden Übersicht. MC ist dann die multi-coated Variante.

Helios-Objekte in der Übersicht – Daten und Zahlen

Hundeportrait mit Bokeh, aufgenommen mit einer Nikon D7100 und M42 Adapter.
An einer Vollformatkamera swirlt es sich natürlich schöner als an APSC. Ein schönes Bokeh ist es trotzdem geworden. Podi stört es ohnehin nicht – der Harz ist sein Revier.
  • Brennweite: 58mm
  • 6 Elemente in 4 Gruppen
  • Blende: F2 – F16 (später bis F22)

Blendenlamellen

  • Helios-44 (erste Version) – 13 Lamellen
  • Helios-44 – 8 Lamellen
  • Helios-44-N – 8 Lamellen
  • MC Helios-44X-N – 6 Lamellen
  • MC Helios-44M-7 – 6 Lamellen

Naheinstellgrenzen

  • Helios-44 (erste Version) – 70cm
  • Helios-44 – 50cm
  • Helios-44-N – 40cm
  • MC Helios-44X-N – 50cm

Objektivanschlüsse

  • Helios-44 (erste Version) – Zenit-Bajonett
  • Helios-44 – M39-Anschluss
  • Helios-44-2 – M42-Anschluss
  • Helios-44-7 – ursprünglich für die Zenit-7-Reihe gebaut
  • MC Helios-44X-N – M42-Anschluss
  • MC Helios-44M-7 – M42-Anschluss
  • MC Helios-44K-4 – Pentax K-Anschluss
Das Helios Objektiv aus russischer Produktion ist ein lichtstarkes Objektiv aus dem Bereich der Vintagelinsen.
Hier sieht man, wie schön das Helios das Licht einfängt. Das Foto wurde in einem Wald des Oberharzes aufgenommen.

Gewicht

  • Helios-44 (Start) – 230g
  • Helios-44 – 230g
  • Helios-44-2 – 230g
  • Helios-44-7 – 350g
  • Helios-44M-4 – 300g
  • MC Helios-44K-4 – 300g
  • MC Helios-44M-4 – 300g
  • MC Helios-44M-5 – 270g
  • MC Helios-44M-6 – 270g
  • MC Helios-44M-7 – 270g

Worauf muss ich beim Kauf eines Helios 44-x achten?

Beim Kauf gilt es also darauf zu schauen, welchen Anschluss das anvisierte Helios-Objektiv tatsächlich hat, in der Regel ist dieser bei den eBay oder Amazon-Angaben hinterlegt. Meist sind die Beschreibungen hinsichtlich Staubfreiheit und Leichtgängigkeit von Blende und Fokus der Händler und Privatpersonen im Gebrauchtobjektivbereich recht akkurat. Minimale Staubeinschlüsse stellen in der Regel kein größeres Problem dar und sind bei älteren Helios-Varianten nicht immer ganz vermeidbar. Wirklich wichtig beim Kauf eines Helios-Objektivs ist der Hinweis auf Fungus. Der Pilz, der an alten Objektiven haften kann, lebt z.B. von Staub oder anderen Ablagerungen auf dem Glas. Auf Dauer können die Pilzsporen die Vergütung angreifen und auf andere Objektive übergehen. Vorsicht also vor Linsen, die eine lange Zeit in feuchten Räumen wie etwa in Kellern gelagert wurden. Nur im Anfangsstadium bekommt man den Fungus noch in den Griff. Am besten kauft man also sein Helios vor Ort bei einem Fachhändler, der gebrauchte Objektive anbietet, um sich einen konkreten Eindruck von dem neuen alten Objektiv zu verschaffen, das daheim einziehen darf.

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Ein Landschaftsfoto als Beispiel für ein Bild, aufgenommen mit einem Helios 44-2 58mm Objektiv und Adapter an einer neuen DSLR.
Das Helios eignet sich nicht nur für Portraits, sondern ebenfalls für Landschaftsfotos. Hier hat sich der Podi inmitten der Harzer Natur versucht zu verstecken.

Adapter für DSLR, Micro Four Thirds und spiegellose Systemkameras gibt es in jeder erdenklichen Variante und für wenig Geld, sodass dem Ausprobieren nichts im Weg steht. Besonders schön swirlt es natürlich bei Vollformatsensoren wie z.B. an der Sony Alpha 7 und ihren Nachfolgermodellen. Vor allem das Helios ist unter den Vintage-Objektiven für sein faszinierendes bekannt. An APS-C swirlt es nicht wirklich gut, auch wenn mit dem richtigen Abstand von Vorder- zu Hintergrund ein schönes und sehr interessantes, lebendiges Bokeh mit dem Helios 44-2 entsteht. Mit dem damit einhergehenden – natürlich ausschließlich manuellen – Fokus klappt das Fotografieren auch am lebendendem Objekt respektive Podi ganz gut. Für mich ist das „Swirly-Bokeh“, neben der Leistung, den Vollformat-Sensoren bei sehr schlechten Lichtverhältnissen in Lost Places erbringen, einer von vielen Gründen, mir bald eine Sony a7 anzuschaffen. Andere Gründe findet ihr bei Michael hier.

Lost Places im Harz!

Alternativen zum Helios

Mit dem russischen Altglas aus dem Bereich der Vintagelinsen, dem Helios 44-2 58mm, aufgenommenes Beispielfoto.
Grünes Moos lässt sich mit dem Helios natürlich auch wunderbar einfangen. Ich nutze dieses Vintageobjektiv gerne für Landschaftsaufnahmen im Harz allgemein. Der Harz bietet ohnehin sehr viele schöne Fotomotive auf zahlreichen gut ausgebauten Wanderwegen.

Aufgrund der in den letzten Jahren doch verstärkten Nachfrage nach den alten Objektiven wie dem Helios stieg für einige auch der Preis.  Glücklicherweise gehört das Helios zu den Massenproduktionen und ist von Preissteigerungen nicht wirklich betroffen wie etwa die Meyer Görlitz Objektive. Letztere sind für ihr herrliches Bokeh mittlerweile mehr als berühmt und begehrt. Ist der „Swirl“ das, wonach man sucht, ist ein Cyclop 85mm F 1.2, F1.5 oder F.20 sicher eine Option, das Jupiter 85mm F2.0 ebenso.

Alternativ zum Helios gibt es im Bereich der alten Metall-Linsen von robuster und unverwüstlicher Qualität zahlreiche andere kaufenswerte Objektive der Brennweite um 58mm oder 50mm. Ein eigenwilliges und ansehnliches Bokeh haben alle irgendwie – und letzten Endes spielt der persönliche Geschmack immer eine entscheidende Rolle. Zu nennen wären etwa das Asahi Super Takumar 50mm F.1.4 oder das Vivitar / Elicar 55mm F2.8. Grandios sind die Carl Zeiss Objektive, nicht nur in dieser Brennweite, beispielsweise das Biotar 58mm F2 (10 oder 17 Lamellen), das Tessar 50mm F2.8 oder das Pancolar 50mm F1.8. Leider gibt es kein Ende, wenn einen die Altglas-Sucht einmal gepackt hat und die genannten Objektive sind, in Ergänzung zum Helios, nur eine Kleinstauswahl von vielen weiteren schönen Linsen. Mit meinem Pentacon 135mm F2.8 werde ich nicht ganz so warm wie mit dem Helios oder dem Tessar, aber vielleicht wird das noch.

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Beispielfotos – Helios 44-2 58mm

Lost Places: Die Johanniter Heilstätte in Sorge!

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Lisa
Harz- und naturbegeistert, Faible für Fotografie im Allgemeinen und Vintage-Linsen im Speziellen. Hunde ♥ Bäume ♥ Wälder ♥ Wiesen ♥ Teiche ♥ Natur

Comments

16. Februar 2018
Böse, wenn einen die Altglas-Sucht erst einmal erfasst hat? 🤔 Dann passe ich lieber auf, dass ich mich nicht anstecke. 😁 Toller und sehr ausführlicher Beitrag, vor allem wegen des Hinweises auf Fungus bei Linsen. Ich mag übrigens auch den swirl. Sieht super aus. Danke für die vielen Beispielfotos!
16. Februar 2018
Hallo Carsten, vielen Dank! Ja, dann gibt es kein zurück mehr! Der Swirl ist bei Vollformat natürlich noch ganz anders, aber ein Helios ist auch so eine feine Sache.

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