Romkerhalle im Okertal – ein Königreich mitten im Harz

Zwischen der Staumauer der Okertalsperre und dem Goslarer Ortsteil Oker erstreckt sich eines der bekanntesten Täler des Harzes: das Okertal. Wo früher die Oker ungehindert fließen konnte, wird die abfließende Wassermenge nun die Harzerwasserwerke bestimmt. Wenige Autominuten unterhalb der Staumauer liegt ein kleiner Ort, der als Romkerhalle oder kurz Romkerhall bekannt ist. Dieser Platz besticht vor allem durch den Romkerhaller Wasserfall, ein altes Gasthaus sowie durch das Wasserkraftwerk Romkerhalle. Ohne Frage, der Wasserfall in Romkerhalle ist ein Besuchermagnet und weit über die Grenzen des Harzes hinaus bekannt wie etwa der Radauwasserfall bei Bad Harzburg. Daneben hat der Ort eine interessante und wechselhafte Geschichte.

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Der Romkerhaller Wasserwall: Beeindruckend im Sommer wie im Winter!

Romkerhalle im Okertal des Oberharzes mit dem gefrorenen Wasserfall im Winter.
Im Winter sieht der Romkerhaller Wasserfall ebenfalls beeindruckend aus. In der Mitte des Bildes sieht man ein kleines „Grenzhäuschen“ des Königreichs Romkerhalle. Dieser Ort im Okertal hat eine interessante Geschichte.

Auch dieser Wasserfall ist, wie andere Wasserfälle im Oberharz (siehe Spiegeltaler Wasserfall), künstlich angelegt und ermöglicht es dem hinterstürzenden Wasser eine Strecke von ca. 64 m im freien Fall zurückzulegen. Damit bricht der Romerhaller Wasserfall tatsächlich den Rekord im Harz, was die Höhe angeht. Das für den Betrieb erforderliche Wasser wird durch die Kleine Romke zugeführt, um anschließend den kaskadenartig aufgebauten Felsen, der „Rohmkerklippe“ bzw. „Mamorklippe“, hinunterzufallen. Errichtet wurde dieser beliebte Wasserfall im Jahr 1863, als auch das gegenüber gelegene Gasthaus gebaut wurde. Man bezweckte damit eine höhere Anzahl an Besuchern, was natürlich bestes Tourismusmarketing für die damalige Zeit darstellte. Auch heute ist der Romkerhaller Wasserfall bei Harzbesuchern sehr beliebt und bietet ein schönes Fotomotiv – im Sommer wie im Winter. Gerade in der Winterzeit kann man Glück haben und wird mit einem gefrorenen Wasserfall und vielen Eiszapfen belohnt, was geradezu spektakulär anmutet. Im Sommer wirkt der Wasserfall aufgrund seines Rauschens und des kühlenden Wassers im Becken sehr erfrischend.

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Eine kurze Geschichte des Okertals im Oberharz!

Königreich Romkerhalle im Okertal gegenüber des Romkerhaller Wasserfalls und der vielen Klippen des Okertals.
Die Gaststätte in Romkerhalle ist ebenso auffällig wie der beeindruckende Wasserfall und die umliegenden Klippen des Okertals.

Früher waren die Wege in und aus dem Harz sehr wichtig, um einerseits die Bewohner des Harzes zu versorgen und andererseits Rohstoffe aus dem Harz herauszubefördern. Die Oker wurde beispielsweise genutzt, um Holz zu flößen, also auf möglichst einfachem Wege aus dem Harz herauszubefördern. Letztmalig geschah dies im Jahr 1865, zwei Jahre nachdem der Romkerhaller Wasserfall und die Gaststätte eingeweiht worden waren. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte man Maßnahmen ergriffen, um das Okertal befahrbar zu machen. Der erste Fahrweg wurde 1817 fertiggestellt, der zweite mit wesentlich größerem Aufwand und in fünf Jahren Bauzeit geschaffen, wodurch das Okertal ab 1861 über eine gute Infrastruktur verfügt. Doch der Ort Romkerhalle hat seine Entstehung vor allem dem Tourismus zu verdanken.

Das ist der Oberharz!

Romkerhalle: Hotel und Restaurant seit 1863!

Blick auf das Okertal, vorbei an einer Klippe, die sich oberhalb von Romkerhalle mit seinem Wasserfall befindet.
Kein Wunder, dass es schon im 19. Jahrhundert die Menschen nach Romkerhalle zog. Mehrere Wanderwege führen hinauf auf die Berge und vor allem zu den schönen Klippen. Oberhalb des Okertals gibt es zahlreiche Klippen, die auch das Ziel vieler Harzurlauber sind.

Beginnend im Jahr 1861 pachtete der Gastwirt Lüer aus dem Goslarer Stadtteil Oker zum Zweck der Errichtung eines Hotel und Restaurants ein Stück Land. Unterstützt durch die lokalen Ämter wurde sogar noch ein Weg im Jahr 1863 errichtet, damit man das Gebäude besser erreichen konnte. In der Folgezeit entwickelte sich Romkerhalle zu einem beliebten Wanderziel, was vermutlich größtenteils dem damals neuen Wasserfall geschuldet war, und ist seitdem ein bekannter Ort des Oberharzes. Die Gaststätte wurde während des Zweiten Weltkrieges teilweise zerstört und konnte erst 1948 wieder in Betrieb genommen werden. Auch die Brücken über die Oker wurden in der letzten Phase des Krieges gesprengt, was jedoch keinen Einfluss auf den Vormarsch der US Army in den Harz hatte. Da Romkerhalle im gemeindefreien Gebiet liegt, kam man auf eine weitere Marketingidee, die daraus bestand, den Ort als Königreich zu bezeichnen. Das Königreich Romkerhalle hatte damit ein Alleinstellungsmerkmal und wer heute vor dem Romkerhaller Wasserfall steht, sieht links ein kleines Zollhäuschen mit Grenzpfosten. Seit mehreren Jahren schon wechseln die Besitzer der Gaststätte regelmäßig. Es bleibt abzuwarten, wie es sich dort zukünftig entwickeln wird. Renoviert wurde das Gebäude erst vor Kurzem.

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Romkerhalle als Teil des Oberharzer Talsperrensystems

Alte Postkarte vom Okertal im Harz.
Hier eine alte Postkarte mit einem interessanten Teil des Okertals. Romkerhalle ist schon seit etlichen Jahren ein beliebtes Ausflugsziel für Jung und Alt. Man beachte die Schreibweise „Okerthal“ statt „Okertal“. Für die ehemaligen Bergstädte Clausthal und Lautenthal kam es zu keiner geänderten Schreibweise!

Nur wenige Meter von dem Königreich Romerkhalle entfernt befindet sich das Wasserkraftwerk Romkerhalle, welches auch als Wasserkraftwerk Oker bezeichnet wird. Dieses wurde 1956 erbaut und betreibt eine Francis-Turbine, die mit Wasser aus der Okertalsperre gespeist wird, das zuvor ein Gefälle von 80 m herunterstürzt, um die erforderliche Wasserkraft bereitzustellen. In der Sekunde fließen somit 6,5 m3 Wasser durch die Turbine, was für eine Leistung von etwas mehr als 4.000 kW reicht. In einem ganzen Jahr kommt dieses Harzer Wasserkraftwerk auf eine Arbeit von etwa 12,5 GWh. Diese Form der Wassernutzung bei Romkerhalle hat zudem den Vorteil, dass das abfließende Wasser in die Oker abfließt und diese in einen Wildwasserfluss verwandelt. Dies freut vor allem Kanufahrer, denn unterhalb von Romkerhalle finden diese auf 2.000 m Länge die anspruchsvollste Kanustrecke Norddeutschlands mit einer Schwierigkeitsstufe von III bis IV von möglichen VI. Zum Fotografieren lädt das Wildwasser natürlich ebenfalls ein. Man beachte die Kanuzeiten für die Oker, die auf der Website der Harzwasserwerke veröffentlicht werden.
Gegenüber des Kraftwerks befindet sich zudem ein Zugang zum Oker-Grane-Stollen, welcher der Granetalsperre auf einer Länge von fast 7,5 km Wasser aus der Okertalsperre bzw. dem Wasserkraftwerk in Romkerhalle zuführt. Dieser Stollen, der für den Betrieb der Granetalsperre im Zuge der Trinkwasserversorgung überaus wichtig ist, wurde zwischen 1968 und 1970 durch den Oberharz getrieben. Dieser Stollen wird zusätzlich unterwegs durch die Flüsse Gose und Abzucht gespeist.

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Lisa
Harz- und naturbegeistert, Faible für Fotografie im Allgemeinen und Vintage-Linsen im Speziellen. Hunde ♥ Bäume ♥ Wälder ♥ Wiesen ♥ Teiche ♥ Natur

Comments

31. Mai 2018
Hallo Lisa, wir haben eine Woche später eine ähnliche Tour im Okertal gemacht, allerdings sind wir noch zur Hallische Hütte hinaufgestiegen. Mir hat die Tour sehr gut gefallen mit den ganzen Klippen. Liebe Grüße Romy
1. Juni 2018
Hallo Romy, ja, das ist eine super Strecke - stimmt, an der Hütte ist auch auch noch die Stempelstelle! Bei uns war leider aufkommendes Gewitter. Viele Grüße, Lisa

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