19 Lachter Stollen

Der 19 Lachter Stollen in Wildemann

Wenn man durch die einst freie Bergstadt Wildemann fährt, fällt der 19 Lachter Stollen mit dem davor liegenden Park samt kleinem Teich direkt auf. Auf einen Hügel gelegen befindet sich der Eingang zu diesem Stollen, der ein Zeugnis des früheren Oberharzer Bergbaus ist. Ein Besuch dort ist nicht nur im Zuge eines Harzurlaubs ein absolutes Muss. Vorher schauten wir uns die Öffnungszeiten an respektive die Zeiten, in denen am Wochenende die Führungen stattfinden. Von Mai bis zum 1. November finden die Führungen täglich um 11.00h, 14.00h und um 15.30h statt, außer montags. Am Sonntag um 11:00 war es soweit – dabei erhofften wir uns etwas Abkühlung im 19 Lachter Stollen, da es an diesem Tag im Harz ungewöhnlich warm und schwül war. Vielleicht ist der 19 Lachter Stollen ja auch etwas für Euch, wenn Ihr im Harz Urlaub macht oder einen Wochenendtrip geplant habt? Aber schaut selbst! Ein kleiner Hinweis vorab: Wer fotografieren möchte, sollte unbedingt einen externen Blitz mitnehmen und auf ein lichtstarkes Objektiv setzen. Die Lichtverhältnisse sind für Fotos im Stollen natürlich recht schwierig und ein Stativ während der Führung ist umständlich im Gebrauch.

Die Besichtigung des 19 Lachter Stollens beginnt mit dem Öffnen des Tors am Mundloch in der Oberharzer Bergstadt Wildemann.
Wir befinden uns am Mundloch – und das Tor zum 19 Lachter Stollen ist geöffnet!

Wer sich für den Oberharzer Bergbau interessiert oder für die UNESCO Welterbestätten im Harz, dem wird der 19 Lachter Stollen sehr gut gefallen. Es fühlt sich dort teilweise wie eine Zeitreise in längst vergangene Zeiten an. Der 19 Lachter Stollen eignet sich auch für eine Besichtigung mit Kindern. Diese haben einen großen Vorteil, aber später mehr dazu…

Woher kommt der Name 19 Lachter Stollen?

Der Name dieses Stollens klingt zunächst recht merkwürdig, da man die Bezeichnung Lachter vermutlich noch nie zuvor gehört hat. So ging es uns auch, doch die Erklärung für den Namen 19 Lachter Stollen ist eigentlich gut nachvollziehbar, wenn man den entsprechenden Hintergrund beleuchtet. Ein Lachter ist ein Längenmaß aus dem Bergbau, welches nicht nur im Oberharz Verwendung fand. Bevor Napoleon das Metermaß brachte, gab es in Deutschland unzählige Längeneinheiten. Die Lachter, die auch als Berglachter bekannt waren, variierten nicht unerheblich von Bergbaurevier zu Bergbaurevier. Bei dem 19 Lachter Stollen ist selbstverständlich das Oberharzer Lachter bzw. Clausthaler Lachter anzuwenden. Dieses entspricht in etwa 1,92 m. Somit könnte man, nachdem man kurz multipliziert hat (19 Lachter entsprechen ca. 36,48 m), den 19 Lachter Stollen auch als 36 Meter Stollen bezeichnen!

Das Lachter ist ein altes Maß aus dem Bergbau, welches regional variierte. Im Oberharz kam das Clausthaler Lachter zum Tragen. Dieses beträgt umgerechnet ins metrische System 1,9238 Meter. Das Lachter war ein tägliches Arbeitsmittel für den sogenannten Markscheider. Der Beruf des Markscheiders ist mit dem des heutigen Vermessungsingenieurs zu vergleichen.

Der 19 Lachter Stollen wurde im 16. Jahrhundert zunächst als Bewetterungsstollen (Sicherstellung einer ausreichenden Luftqualität im Bergwerk) und später als Wasserlösungsstollen konzipiert. Er war 19 Lachter unterhalb des Glückswardstollens angesiedelt, welcher hingegen selbst als 16 Lachter Stollen genannt wurde, da dieser 16 Lachter unter dem Frankenscharrn-Stollen lag. Auch wurde etwas Erz abgebaut, welches man in der Nähe von Wildemann lokalisiert war.
Als verwirrender Fakt: Der 13 Lachter Stollen liegt wiederum 13 Lachter unterhalb des 19 Lachter Stollens. Im Fazit kann man sagen, dass der 19 Lachter Stollen zu einem komplexen System aus Stollen im Oberharz gehört, die alle ihre besondere Funktion hatten.

19 Lachter Stollen, 13 Lachter Stollen und 16 Lachter Stollen – mit den Stollen in Wildemann kann man schon ziemlich durcheinanderkommen. Das Lachter ist letztendlich nur eine Maßeinheit und entspricht in etwa 1,92 m. Und die Bezeichnung der Stollen bezieht sich auf deren Tiefe von dem höher gelegenen Stollen aus gesehen. Ganz gleich, ob man sich für die Bezeichnungen interessiert: Der 19 Lachter Stollen ist definitiv ein Besuch wert!

Die Führung im 19 Lachter Stollen: Ein Streifzug durch die Oberharzer Bergbaugeschichte!

Ein typischer Blick in den 19 Lachter Stollen in Wildemann
Die Atmosphäre im 19 Lachter Stollen ist beeindruckend. Sehr urig und geschichtsträchtig!

Zunächst gab es einen kurzen aber dennoch sehr informativen Vortrag zu der Geschichte des Bergbaus im Oberharz, zu dem Wildemann ja bekanntlich gehört. Hierbei wurde das Leben der damaligen Bergleute und auch der Kinder, die als Pochjungen schon in jungen Jahren härteste Arbeit verrichten mussten, erläutert. Harte Zeiten waren das, doch der Bergbau brachte der Stadt Wildemann einen Wohlstand, den andere Regionen Deutschlands in jenen Zeiten nicht hatten. Als Teilnehmer der Führung wird man also bestens auf das Einfahren in den Schacht (heißt auch so, wenn man zu Fuß in den Stollen geht) vorbereitet und kann danach die Dinge besser einordnen, als wenn man direkt im Stollen beginnen würde. Der Raum, in dem der Vortrag vorab abgehalten wird, ist voll mit diversen Ausstellungsstücken zum Bergbau, wie beispielsweise Grubenleuchten wie dem Harzer Frosch, oder diversen Mineralien mit den wertvollen Erzen samt taubem Gestein.

Die Entwicklung Goslars und des gesamten Oberharzes ist stark vom Bergbau geprägt. Sieben Bergstädte, zu denen Wildemann als kleinste gehört, waren einst die Zentren des Oberharzer Bergbaus. Vermutungen besagen, dass bereits vor mehr als 2.000 Jahren Bergbau in der Harz Region betrieben wurde. Erst seit dem 16. Jahrhundert erlebte der Harz die Blüte des Bergbaus. In diese Zeit fällt die Einrichtung des Oberharzer Wasserregals. Auch die typischen Oberharzer Nadelwälder sind natürlich direkt auf den Bergbau zurückzuführen.

Auf geht es in den 19 Lachter Stollen: Glück Auf!

Bevor die Bergleute in den Berg einfuhren, wurde zunächst gemeinsam gebetet. Danach hieß es „Glück Auf“ und man nahm den oftmals mühsamen und langen Weg zur Arbeitsstätte auf. Schlegel und Eisen waren die Handwerkzeuge, mit denen die Bergleute arbeiteten, bevor sich das Sprengbohren durchsetzte. Die dazu erforderlichen Bohrlöcher mussten ebenfalls per Hand geschaffen werden. Die besonderen Arbeitstechniken werden im Schaubergwerk 19 Lachter Stollen sehr informativ durch den Museumsführer vorgeführt.

In einer ehemaligen Radstube des 19 Lachter Stollens befindet sich eine alte Kompressoranlage samt Francis-Turbine.
In der alten Radstube, die einst ein Kehrrad beheimatete, wurde vor mehr als 100 Jahren eine Anlage zur Drucklufterzeugnung installiert.

Also, ab in den Schacht! Man betritt den 19 Lachter Stollen durch das sogenannte Mundloch. Es wurde mit nur 8 Grad Celsius im 19 Lachter Stollen direkt viel kälter als draußen, für den ein oder anderen empfiehlt es sich also einen Pullover oder gar eine Jacke im Sommer mitzunehmen. Wir haben es an diesem Tag jedoch als willkommene Abkühlung, als eine kostenlose Klimaanlage quasi, gesehen. Beim Laufen durch den Stollen muss man aufpassen, dass man sich – je nach Körpergröße – den Kopf nicht anstößt. Helme sind natürlich Pflicht und haben sich in unserem Fall mehr als einmal bewährt. Kinder haben es hier leicht im 19 Lachter Stollen, denn sie müssen nicht damit rechnen, sich den Kopf anzustoßen. Dennoch ist der Schutzhelm auch für Kinder obligatorisch. Ohnehin kann man die Bergbaubesichtigung auch mit Kindern ab etwa 5 Jahren empfehlen.
Der Stollen ist beleuchtet aber dennoch recht dunkel – eine ganz besondere Atmosphäre eben. Dem Museumsführer folgend, kamen wir bei der ersten Station an, welche sich dem Thema „Holz im Bergbau“ widmet. Hiernach geht es weiter, an einem Hund (Förderwagen) vorbei, bis zu einem versperrten Stollen mit kleinem Bach. Dieser Bach sieht recht klein aus, führt jedoch etwa beachtliche 300 Liter Wasser pro Minute. Das Wasser stammt aus der etwa 8,5 km entfernten Bergbauregion bei Zellerfeld.

Im 19 Lachter Stollen ist die Temperatur jahresunabhängig und liegt bei etwa 8 °C. Im Sommer ist dies angenehm, im Winter keine wirkliche Möglichkeit, sich aufzuwärmen. Zudem ist es feucht im Stollen und das Wasser tropft aus dem Gestein heraus. Man bekommt eine erste Vorstellung von den harten Arbeitsbedingungen der Harzer Bergleute, die den Stollen mühsam per Hand – nur mit Schlegel und Eisen ausgestattet – in den Berg trieben. Dabei war die Arbeit im Bergwerk deutlich beliebter als die Tätigkeit im Pochwerk, wo die geförderten Erze sortiert und zerkleinert wurden. Dies lag vor allem an der Bezahlung, die unter Tage wesentlich besser war.

Die Attraktionen im 19 Lachter Stollen!

Bild eines Kehrrades während einer Vorführung im 19 Lachter Stollen.
Wasserkraft machte den Oberharzer Bergbau erst möglich! Hier sieht man ein rekonstruiertes Kehrrad, welches in beide Richtungen in Betrieb genommen wird. Beeindruckend!

Unter Tage gibt es in Wildemann viel zu sehen. Der 19 Lachter Stollen ist wie ein Lehrbergwerk mit einzelnen Stationen aufgebaut, die verschiedenste Themen des Bergbaus behandeln. Die Strecken dazwischen vermitteln sehr anschaulich die damaligen Bediungen. Die nachfolgenden Stationen gibt es im 19 Lachter Stollen zu sehen:

  1. Vorführung der Alterung von Holz im Bergwerk (Holz mit mehreren Jahren im Stollen & neues Holz).
  2. Informationen zu dem kleinen Flüsschen im Stollen (Wasser aus Zellerfeld).
  3. Vorführung beim 261 m tiefen Blindschachtes (Wasser wird in den Schacht, der beleuchtet ist, fallen gelassen).
  4. Betrieb des Kehrrades in beide Richtungen (Durchmesser: 9 m, Breite: 2 m).
  5. Begehung der alten Radstube, die zuletzt als Turbinenraum samt Druckluftkompressor genutzt wurde (Francis-Turbine).
  6. Vorführung zum Umgang mit Hammer und Schlegel sowie des Bohrens von Sprenglöchern.
  7. Anzünden eines Harzer Frosches (Bergmannslampe Harzer Art), um die Arbeits- und Lichtbedingungen unter Tage kennenzulernen.
  8. Besichtigung des Maschinenraumes samt Fördermaschine von 1914 mit zahlreichen Ausstellungsstücken (z. B. Seilwinde, Signalglocke, Arschleder).

Am beeindruckendsten haben wir die Vorführung des Kehrrades empfunden. Die Lautstärke im Betrieb ist immens und man spürt die Energie des Wassers, ohne die der frühere Bergbau im Harz technisch nicht möglich gewesen wäre. Bei der Vorführung wird das Kehrrad in beide Richtungen betrieben, wie es früher zum Förderung von Lasten erforderlich war. Wirklich beeindruckend!

Bild eines Hunds bzw. Hunts im 19 Lachter Stollen der Bergstadt Wildemann.
Ein sogenannter „Hund“ im 19 Lachter Stollen. Diese wurden von den Bergleuten per Hand geschoben und waren nicht sonderlich leicht.

Zudem fanden wir die Vorführung zu den Arbeitsweisen der Bergleute sehr gut. Sieht man erst einmal, wie wenig Licht ein Harzer Frosch den Bergleuten gespendet hat, stellt man sich direkt die Frage, wie diese dort überhaupt etwas sehen konnten. Wir haben kaum etwas wahrnehmen können und waren froh, als das Licht nach der Vorführung wieder angemacht wurde.
Ganz grundsätzlich kann man sagen: Der 19 Lachter Stollen ist alleine schon ein Besuch wert, nur um durch die einzelnen Stollen zu laufen und die Stimmung auf sich wirken zu lassen. Jegliches Metall unterliegt der Witterung, wie man am Ausbau des Stollens aus Eisen sehen kann und das Tropfen des Wassers schafft eine eindrucksvolle Atmosphäre. Nach den Stationen 7 und 8 geht es zurück auf dem Weg durch den Stollen, über den man hineingekommen ist. Es geht in den ehemaligen Maschinenraum, der zuvor ausgelassen wurde. Dieser ist erstaunlich gut erhalten und alles sieht so aus, als könne man es direkt in Betrieb nehmen. Dabei muss man bedenken, dass der Raum aus dem Jahr 1914 stammt und damit schon mehr als 100 Jahre alt ist!

Weitere Bergbau-Attraktionen im Oberharz

  1. Ottiliae-Schacht (Clausthal-Zellerfeld)
  2. Oberharzer Bergwerksmuseum (Clausthal-Zellerfeld)
  3. Bergbaumuseum Lautenthal – Grube Lautenhals Glück (Lautenthal)
  4. Grube Samson (Sankt Andreasberg)
  5. Grube Rosenhof (Clausthal-Zellerfeld)
  6. Kaiser-Wilhelm-Schacht (Clausthal-Zellerfeld)
  7. Weltkulturerbe Erzbergwerk Rammelsberg (Goslar / am Harz)
  8. Bergbaumuseum Knesebeckschacht (Bad Grund)

Neben dem 19 Lachter Stollen gibt es im Hinblick auf den Harzer Bergbau noch viel mehr zu entdecken. Auf Harz-Region.de werden wir darüber berichten!

Kontakt zum 19 Lachter Stollen

Die Öffnungszeiten des 19 Lachter Stollens in Wildemann im Überblick
Die Öffnungszeiten des 19 Lachter Stollens variieren je nach Jahreszeit und Tag.

19 Lachter Stollen
Im Sonnenglanz 18
38709 Wildemann
Tel. 05323 / 6628
Fax: 05323 / 962 496
E-Mail: besucherbergwerk@t-online.de
Web: www.19-lachter-stollen.de

Preise

Erwachsene: € 6,00
Erwachsene (ermäßigt): € 5,50
Kinder (ab 4 Jahre): € 3,50
Kinder (ermäßigt): € 3,00
Studenten (einzeln oder in einer Gruppe, < 30 Jahre): € 4,50
Kinderführung (Bergbau- & Pochdiplom): € 3,00 (Mindestpreis: € 50,00)
Mit HarzCard: Kostenlos

Führungen – Termine

07. Januar – 29. Januar:

Führungsbeginn: 11:00 Uhr (Auch bei geringer Beteiligung). Die Kasse ist ab ca. 10:30 Uhr geöffnet.

Montag ist Ruhetag.

30. Januar – 30. April:

Führungsbeginn: 11:00 Uhr & 14:00 Uhr; zusätzlich um 15:30 Uhr (Nur im Zeitraum Karfreitag bis Ostermontag.)

Montag ist Ruhetag. (nicht an Feiertagen und während der Ferien)

1. Mai – 1. November :

Führungsbeginn: 11:00 Uhr, 14:00 Uhr sowie 15:30 Uhr (Täglich, jedoch sind Einschränkungen & Verschiebungen aufgrund von Klassenfahrten möglich.)

Montag ist Ruhetag. (nicht an Feiertagen und während der Ferien)

02 .Nov. – 24. Dez.:

Führungsbeginn: Samstags um 14:00 Uhr & sonntags um 11:00 Uhr (Auch bei geringer Beteiligung. Weitere Führungen sind ab 10 Personen möglich.)

25. Dez. – 6. Jan.:

Führungsbeginn: 11:00 Uhr & 14:00 Uhr (Führungen finden täglich statt.)

Die Kasse ist ab 10:30 Uhr geöffnet.

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Lisa
<p>Harz- und naturbegeistert, Faible für Fotografie im Allgemeinen und Vintage-Linsen im Speziellen. Hunde ♥ Bäume ♥ Wälder ♥ Wiesen ♥ Teiche ♥ Natur</p>

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