Die Geschichte des Harzes: Heute noch sichtbar!

Geschichte im Harz - Kaiserpfalz mit Statue von Barbarossa in der Kaiserstadt Goslar am Harz
Die Geschichte des Harzes ist eine lange und vor allem interessante. Gerade die alte Kaiserstadt Goslar mit der hier gezeigten Kaiserpfalz hat für den Geschichtsinteressierten Harzurlauber viel zu bieten.

Der Harz, der einst „Hart“ (Bedeutung: „Bergwald“) hieß, blickt auf eine lange und sehr wechselhafte Geschichte zurück – mit allen Höhen und Tiefen. Zentral in Deutschland gelegen, hat es viele Geschichtsphasen im Harz gegeben, die man heute noch hier und dort nachvollziehen kann. Dank der ausgebliebenen Urbanisierung der Harzer Region – im Vergleich zu anderen Siedlungsräumen – sowie relativ wenigen Kriegsschäden aus dem Zweiten Weltkrieg, sind viele geschichtsträchtige Hinterlassenschaften gut erhalten geblieben. Aufgrund der Vielfalt der von früherer Geschichte geprägten Orte, bietet sich der Harz geradezu für den geschichtsinteressierten Urlauber an. Vieles ist pädagogisch gut erschlossen und auch Kinder kann man im Harz im Zuge vieler Erlebnisse für die Geschichte des Harzes gewinnen. Darüber hinaus gibt es in und am Harz zahlreiche kulturelle Veranstaltungen, die wirklich einen Besuch wert sind.

Die Geschichte des Harzes reicht bis in die Frühgeschichte zurück.

Neben Belegen für eine frühgeschichtliche Besiedlung des Harzes, lässt sich vor allem der Beginn eines Bergbaus im Harz in der Bronzezeit nachvollziehen. In Dokumenten findet sich viele Jahrhunderte später der sogenannte „Harzgau“ als Bezeichnung für die politische Einheit der Harzregion. Durch eine Erklärung Karls des Großen wurde der Harz zu einem „Reichsbannwald“, also zu einer Region, in der man nicht jagen durfte. Ein Beleg für dieses Verbot findet sich im bekannten Sachsenspiegel, dem quasi ersten Gesetzesbuch Deutschlands. Dieser wurde übrigens auf der bekannten Burg Falkenstein verfasst, die heute ein beliebtes Ausflugsziel ist.
Die nächste wichtige Phase der Geschichte im Harz ist eng mit dem Kloster Walkenried verbunden, welches von Kaiser Barbarossa wichtige Rechte am Bergbau erhielt und diesen insbesondere am Goslarer Rammelsberg vorantrieb. Darüber hinaus profitierten andere Wirtschaftsformen wie der landwirtschaftliche Zweig ebenfalls von den Walkenrieder Mönchen.
Die prosperierende Entwicklung des Harzes kam später nahezu völlig zum Erliegen. Dieser Umstand ist der Pest als Seuche geschuldet, die in Europa nahezu ein Drittel der gesamten Bevölkerung auslöschte.

Der Dreißigjährige Krieg im Harz: Plünderungen in der Gegend des Oberharzes.

Bild von Graf Tilly, dessen Truppen den Oberharz plünderten und die Schlacht bei Lutter am Barrenberge gewannen.
Die Truppen von Graf Tilly wüteten besonders schlimm im Harz. Widerstand leisteten die sogenannten „Harzerschützen“, die sich gut in der Region des Oberharzes auskannten. (Bildquelle: Wikipedia Commons)

Erst im 16. Jahrhundert erfolgte eine erneute Besiedlung des Harzes, dessen Bevölkerung jedoch im Zuge des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) erneut immens zu leiden hatte. Was mit dem Prager Fenstersturz im Jahre 1618 begann, führte dazu, dass es im und am Harz zu Kämpfen kam. Graf Tilly (Heerführer der Katholischen Liga und des kaiserlichen Aufgebots in Personalunion), dessen Kontrahent der protestantische Dänenkönig Christian IV. war, bezog mit seinem Heer Lager südwestlich des Harzes. Marodierende Soldaten plünderten und brandschatzten in der Region, wo sie nur konnten. Von Osterode ausgehend, zogen Tilly’s Truppen in den Oberharz. Nicht wenige der heutigen Oberharzer Bergstädte wie Zellerfeld, Lautenthal oder Wildemann wurden dabei geplündert. Gegen die Übergriffe von Tilly’s Truppen setzen sich die sogenannten „Harzer Schützen“, die sich bestens in der Bergregion auskannten, zunächst erfolgreich zur Wehr.
Die Entscheidungsschlacht zwischen Christian IV. und Tilly fand 1626 bei Lutter am Barenberge statt und endete mit einer vernichtenden Niederlage für die Truppen des Ersteren. Es handelte sich um ein schlimmes Gemetzel mit vielen Toten. So erinnert heute noch ein Grabstein des Freiherrn von Bimbach an die Opfer auf dänisch-niedersächsischer Seite. Straßennamen wie beispielsweise „Tillyschanze“ in Clausthal-Zellerfeld deuten ebenfalls auf die historischen Auseinandersetzungen im Oberharz und im Harzer Vorland hin. Nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge verlagerte sich das Kampfgeschehen in andere Regionen Deutschlands.

Endlich geht es wieder aufwärts: Der historische Bergbau im Harz!

Die Geschichte des Harzes ist nicht nur von negativen Themen geprägt, sondern auch von Phasen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwungs. Dies rührt insbesondere vom Bergbau her. Die Erze des Harzes wurden genutzt, um Silber, Blei, Kupfer und Eisen zu gewinnen. Durch die sogenannten Bergfreiheiten wurde der Bergbau intensiv gefördert und Bergleute aus anderen Regionen Deutschlands angeworben. Den Bergleuten wurde bestimmte Privilegien zugestanden. Dies war selbstverständlich nicht ohne Hintergedanken, denn die Landesherrn verdienten kräftig am Bergbau mit.
Heute kann man die direkten Folgenden der Bergbaugeschichte noch sehr unmittelbar erleben. So gibt es zahlreiche Bergwerke, Stollen und Ausstellungen, in denen man die Geschichte des Bergbaus gut nachvollziehen kann. Gerade für Kinder kann eine Einfahrt in eine Grube oder die Mitfahrt mit der Tagesförderbahn zum Ottiliae Schacht geradezu ein Highlight im Harzurlaub sein. Außerdem ist noch das Oberharzer Wasserregal als künstlich angelegtes Wassersystem, bestehend aus vielen Teichen und Wassergräben sowie anderen Elementen, zu nennen. Die Geschichte des Oberharzer Bergbaus wäre ohne dieses System zur Energiebereitstellung nicht möglich gewesen.

Bild eines Harzer Bergmannes der Freien Bergstadt Sankt Andreas Berg, der mit einer Fahrkunst in der Grube Samson fährt.
Die Geschichte des Bergbaus im Harz hat viele Innovationen hervorgebracht. Hier im Bild ist eine Fahrkunst in der Sankt Andreasberger Grube Samson zu sehen. Der Oberharzer Bergbau war von größter wirtschaftlicher Bedeutung für die Bevölkerung des Oberharzes und prägend für dessen Geschichte.

Die Geschichte des Bergbaus im Harz hat viele Innovationen hervorgebracht. Hier im Bild ist eine Fahrkunst in der Sankt Andreasberger Grube Samson zu sehen. Der Oberharzer Bergbau war von größter wirtschaftlicher Bedeutung für die Bevölkerung des Oberharzes und prägend für dessen Geschichte.

Interessant sind auch die sogenannten Lochsteine, die man heute ebenfalls besichtigen kann. Bei einem Lochstein handelt es sich um einen Grenzstein, welcher die Grubenfelder oberirdisch markiert. Die Schrift auf den Lochsteinen im Harz zu lesen und richtig zu interpretieren ist mitunter eine Kunst. Dennoch sind sie nette Sehenswürdigkeiten bei manch einer Wanderung im westlichen Harz.
Der Bergbau im Harz konnte sich bis etwa zur Weltwirtschaftskrise halten, hiernach war die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben. Im Jahre 1930 waren nahezu alle Oberharzer Bergwerke geschlossen, was immense Probleme für die ansässige Bevölkerung mit sich brachte. Erzbergbau wurde nur noch in Bad Grund betrieben, wo das letzte Bergwerk 1992 schloss. Damit endete die Geschichte des Oberharzer Bergbaus.

Die Kriegszeiten im Harz: Verbrechen und Leid.

Das letzte Jahrhundert hatte ganz wesentliche Auswirkungen auf ganz Deutschland und damit auch auf den Harz. Während des Ersten Weltkrieges wurde im Harz gehungert und gefroren, während die wehrfähigen Männer an der Front ihr Leben riskierten und oftmals auch verloren. In diesem Zusammenhang sind die Goslarer Jäger als ein bekanntes Hannoversches Jägerbataillon, welches seit 1866 zunächst als Jäger-Bataillon Nr. 10 in der Garnison Goslar stationiert war, zu nennen. Die Bataillonsgeschichte und Geschichte Goslars als Garnison sind überaus interessant und bieten einen informativen Überblick über die militärische Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert.
Die Weimarer Zeit war im Harz ebenso von den politischen Spannungen seitens der NSDAP, KPD und anderen antidemokratischen Parteien geprägt wie das restliche Land. Im Hinblick auf die rechten Gruppierungen der Weimarer Republik ist insbesondere eine Tagung zu nennen, die in Bad Harzburg stattfand. Die sogenannte Harzburger Front, die aus NSDAP, Stahlhelm, DNVP und weiteren rechten Organisationen bestand, tagte dort am 11. Oktober 1931. Diese Tagung wurde von Aufmärschen der einzelnen Parteien und Gruppierungen begleitet. Vermutlich wurde der Ort Bad Harzburg gewählt, um zu erwartende Störungen durch politische Gegner wie dem Roten Frontkämpferbund oder dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold fernab der Großstädte zu vermeiden.
Die Nazizeit sowie der Zweite Weltkrieg brachten insbesondere für die von den Nationalsozialisten verfolgten Menschen Gewalt und Tod. So stehen unter anderem das KZ Mittelbau-Dora, wo etwa 20.000 Menschen an den verheerenden Arbeits- und Lebensbedingungen starben, oder das Clausthaler Werk Tanne, wo Zwangsarbeiter unter schlechtesten Bedingungen in der Sprengstoffproduktion eingesetzt wurden, für die Verbrechen der Nazis im Harz. Dieses mehr als dunkle Kapitel deutscher Geschichte wurde mit dem Kriegsende geschlossen. Der Harz, welcher pseudomäßig 1945 noch zur „Festung“ erklärt worden war, wurde in Folge von den Siegermächten geteilt.

Jüngere Geschichte im Harz: Die deutsch-deutsche Teilung.

Geschichte der deutschen Teilung anhand des Brockens, welchen man von Torfaus sehr gut sehen kann.
Lange Zeit konnte der Harzurlauber den Brocken nur aus einer solchen Perspektive sehen. Nach dem Mauerbau gehörte der Brocken zu dem Territorium der DDR und war militärisches Sperrgebiet. Die Geschichte des Brockens und des Harzes steht symbolisch für die Geschichte des Kalten Krieges in Deutschland.

Die Deutsche Teilung bedeutete für den Harz, dass durch dessen Mitte die innerdeutsche Grenze verlief. Während der Oberharz zur BRD gehörte, waren Hochharz und Unterharz Teil der DDR. Auch der Brocken, als höchster Harzer Berg, gehörte fortan zum Hoheitsgebiet der DDR. Seit der Einrichtung eines militärischen Sperrgebietes 1961 war der Brocken als Urlaubsort und Reiseziel für Zivilisten absolut tabu – vom Oberharz aus erst recht. Man konnte ihn nur aus der Entfernung sehen, ohne ihn zu besteigen. Der Brocken wurde zwischen 1961 und 1989 durch die Sowjets und die Stasi zu Abhörzwecken genutzt. Die NATO tat dasselbe, unter anderem vom Bocksberg bei Hahnenklee und vom bei Braunlage gelegenen Wurmberg aus.
Heute kann man die innerdeutsche Grenze im Harz nur noch anhand von Hinweisschildern sowie anhand des Harzer Grenzweges erahnen. Viele Grenzbefestigungen sind abgebaut worden und die Natur hat sich vieles zurückgeholt, was gerade im Harz nicht sehr überraschend ist. Die Geschichte des Kalten Krieges bildet also auch einen bedeutenden Teil der Geschichte des Harzes.

Eisenbahngeschichte im Harz: Brockenbahn, Schmalspurbahn und Innerstetalbahn.

Wer sich für Eisenbahngeschichte im Harz interessiert, ist mit einem Harzurlaub richtig beraten. Denn der Harz bietet noch heute einen tollen Einblick in die Geschichte der Eisenbahn. Man kann sie insbesondere im Hoch- und Unterharz bestens nachvollziehen: Am echten Objekt – der Dampfeisenbahn. Auch der Harz war im 19. Jahrhundert vom Eisenbahnbau betroffen. Immer spielten hierbei wirtschaftliche Faktoren eine Rolle und entschieden darüber wo eine Eisenbahnstrecke errichtet wurde, wie der Verkehr darauf aussah und bis wann sie betrieben wurde. So gibt es heute leider die Innerstetalbahn, deren Strecke einst dort verlief, wo sich heute die Innerstetalsperre befindet, nicht mehr, da sie in den 1970ern absolut unwirtschaftlich geworden war.
Die guten Nachrichten im Hinblick auf die Harzer Eisenbahngeschichte beziehen sich auf die Harzer Schmalspurbahn sowie die Brockenbahn. Letztere wurde 1898 eröffnet und bringt noch heute Harzurlauber auf den Brocken. Ferner wird durch die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) ein mehr als 140 km langes Schienennetz (Brockenbahn, Harzquerbahn, Selketalbahn) betrieben, auf welchem alte Dampfloks eingesetzt werden. Die Endstationen der Harzer Schmalspurbahn sind Wernigerode, Quedlinburg sowie das südlich vom Harz gelegene Nordhausen – und natürlich der Gipfel des Brockens.

Geschichtsträchtige Orte für einen Urlaub im Harz: Eine Auswahl!

Im Folgenden haben wir Euch eine Liste an Orten, die eng mit der Geschichte des Harzes verbunden sind, zusammengestellt. Es handelt sich um unsere persönlichen Favoriten, wenn es um die Geschichte des Harzes geht. Unser Ziel ist es, die Geschichte des Harzes für Euch greifbar zu machen. Dazu werden wir im Blog immer wieder Berichte zu geschichtsträchtigen Orten veröffentlichen und Euch Tipps geben. Viel Spaß beim Erkunden der Harzer Geschichte!

Bild der Brockenbahn, die eine lange Geschichte im Harz hat und noch heute mit historischen Dampfloks betrieben wird.
Gehört klar zu den Top 10 im Harz – Geschichte hin oder her: Die mit Dampfloks betriebene Brockenbahn. Die Geschichte der Eisenbahn ist sehr interessant – nicht nur für Eisenbahnfans. Insbesondere Kinder sind von den Loks begeistert!

Top 10 – Geschichte im Harz:

  1. Eisenbahnfahrt oder Wanderung zum Gipfel des Brockens.
  2. Fahrt mit der Tagesförderbahn zum Ottiliae Schacht in Clausthal.
  3. Besuch der Burg Falkenstein im Unterharz.
  4. Besichtigung der Kaiserpfalz in Goslar.
  5. Besuch der Bergwerks Rammelsbergs.
  6. Ausstellung des Oberharzer Bergwerkmuseums in Clausthal-Zellerfeld und das Oberharzer Wasserregal.
  7. Altstädte von Wernigerode, Quedlinburg und Goslar inklusive Schlösser und Museumsbesuche.
  8. Besuch der Grube Samson in Sankt Andreasberg.
  9. Besichtigung des Kloster Walkenrieds.
  10. Marktkirche zum Heiligen Geist in Clausthal-Zellerfeld.

Ganz unabhängig von unseren Top 10, gibt es natürlich weitere unzählige Orte im Harz, die von dessen abwechslungsreicher Geschichte zeugen. Sie alle aufzuzählen ist nahezu unmöglich!

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