Lochsteine im Oberharz

Lochsteine im Oberharz: Durchlöcherte Steine?

Die Bezeichnung mag auf den ersten Blick recht merkwürdig erscheinen, doch findet man Lochsteine nicht nur im Oberharz. Wer sich zwischen Goslar, Seesen und Osterode sowie dem Brocken im Urlaub aufhält, der kann einen solchen Lochstein mit etwas Glück finden. Im Oberharz, der maßgeblich vom Bergbau geprägt wurde, erfüllten die Lochsteine einst einen wichtigen Zweck, der mit wirtschaftlichen Interessen zusammenhing. Der Lochstein diente der Kennzeichnung von Grenzen. In anderen Bergbaurevieren hatten sie durchaus ein kleines Loch, im Oberharz meistens ein kleines Kreuz.

Im Oberharz sind mehrere Dutzend Lochsteine bekannt, die man mit etwas Glück und Durchhaltevermögen findet! Frühere Wegbeschreibungen aus alten Büchern oder vom „Hörensagen“ her führen nicht immer zum Erfolg…

Der Lochstein: Im Oberharz bedurfte es klarer Grenzen!

Ein Lochstein im Wald beim Ottiliae-Schacht bei Clausthal-Zellerfeld.
Ein Lochstein in einem Oberharzer Wald bei Clausthal. Diese Steine sind Relikte des einstigen Erzbergbaus im Oberharz.

Anders als heute, wo der Oberharz durchaus für Ruhe und Entspannung steht, war diese mitteldeutsche Region einst ein Industrierevier, das erhebliche Mengen Erz bereitstellte und so zu der Metallversorgung in Deutschland und sogar in Europa beitrug. Es gab zahlreiche Bergwerke, die Erze förderten – nicht nur in den sieben Oberharzer Bergstädten. Der Oberharzer Erzbergbau war damals tatsächlich so bekannt, dass berühmte Personen wie Goethe oder Leibniz die Bergwerke vor Ort besuchten. Wo die Natur so viele Schätze bereithält, stellt sich für den Menschen die Frage nach dem Eigentum: Wem gehören die Bodenschätze eigentlich? In diesem Zusammenhang erfüllten die Lochsteine einen ganz bestimmten Zweck: Sie markierten die Grenzen der einzelnen Grubenfelder – ganz wie ein Grenzstein, wie man ihn heute noch kennt. Mit Lochsteinen ließen sich mögliche Konflikte schon im Voraus vermeiden und de facto klare Grenzen ziehen! Das 16. Jahrhundert war die Zeit, in der die Lochsteine im Oberharz aufkamen. Damals durfte jedermann nach Erzen und Mineralien suchen, wobei dem ersten Finder bestimmte Rechte zukamen, um seinen Fund zu monetarisieren. Neu gefundene Grubenfelder mussten also begrenzt werden, damit die Besitzansprüche von Anfang an eindeutig und rechtswirksam geklärt waren.

Im Oberharz durfte jedermann nach Bodenschätzen suchen und Ansprüche daran geltend machen. Die Setzung von Lochsteinen manifestierte solche Rechte. Dementsprechend viele Lochsteine gibt es noch heute rund um die ehemaligen Bergstädte. Zu den sieben Bergstädten gehörten: Clausthal, Zellerfeld, Grund, Altenau, St. Andreasberg sowie Wildemann und Lautenthal.

Mehr Bergbaugeschichte mit dem Oberharzer Wasserregal erleben!

Der Markscheider war für die Vermessung der Lochsteine zuständig.

Ein Oberharzer Lochstein mit einem Kreuz statt eines Loches.
Im Oberharzer Bergbau war es eher üblich, keine Löcher in den Steinen, sondern Kreuze zu nutzen. Mit Grabsteinen haben diese Relikte also nichts zu tun.

Beim Markscheider handelte es sich um einen alten Beruf des Bergbaus, der sich am ehesten mit dem Berufsbild eines Vermessungstechnikers oder -ingenieurs vergleichen lässt. Die Bezeichnung leitet sich von den Wörtern Mark und Scheiden ab, die für „Grenze“ und „Trennen“ stehen. Der Markscheider war also für die Ziehung von Grenzen zuständig. Als der Bergbau im Oberharz sein Blüte erlebte, gab es nicht die heutigen Messinstrumente, die heute zur Verfügung stehen. Mit einfachen Mitteln mussten aufwendige Vermessungsarbeiten aufgeführt werden und es verwundert noch heute teilweise, mit welcher Genauigkeit die damaligen Markscheider arbeiteten. Wurde der Ort eines Lochsteins bestimmt, so wurde dieser in die Erde eingelassen – man sprach von der „Verlochsteinung“. Darüber hinaus wurde der Lochstein mit Informationen versehen. Zu diesen gehörten beispielsweise:

  • Das Jahr bzw. das Datum der „Verlochsteinung“.
  • Die Namen der an der „Verlochsteinung“ beteiligten Bergbeamten (vollständig oder als Initialen).
  • Die Bezeichnung der Fundgrube.
  • Die Namen der angrenzenden Gruben.
  • Die Feldlänge der Gruben im alten Oberharzer Maß „Maassen“ (1 Maassen = 28 Lachter; 1 Lachter = ca. 1,92 m – Anm.: Es handelt sich hier um das Clausthaler Lachter!).

Außerdem durfte natürlich das Kreuz nicht fehlen, das im Oberharz häufiger vorkam als das kleine Loch wie in anderen deutschen Bergbaurevieren.

Die „Verlochsteinung“ war ein offizieller Akt, an dem unter anderem der Markscheider sowie die zuständigen Bergbeamten teilnahmen. Dieser Prozess war sehr aufwendig und alles andere als günstig! Dem heutigen Harzurlauber dienen die Lochsteine als interessante Wanderziele, die nicht selten regelrecht gesucht werden müssen. In der schönen Oberharzer Natur sind solche Wanderungen natürlich eine gute Idee!

Warum Lochsteine interessant sind: Historische Wanderziele!

Dennert-Tanne für einen Lochstein in der Nähe des Oberharzer Ottiliae-Schachts.
Es gibt auch genügend Dennert-Tannen im Oberharz, die sich den Lochsteinen widmen. Diese Tanne samt Lochstein befindet sich in der Nähe des Ottiliae-Schachts bei Clausthal.

Lochsteine haben irgendwie etwas von Ostereiern oder Geocaching. Man muss sie suchen und wird nicht immer fündig. Auf die Oberharzer Lochsteine aufmerksam geworden, machten wir uns mehrmals auf die Suche nach solchen Steinen. Alte Bücher gaben die Orte an – und doch war es wirklich nicht einfach, einen Lochstein zu finden. Manchmal konnte man ihn einfach nicht lokalisieren oder zu dichtes Gestrüpp machte den Weg unpassierbar. Dies mag unter anderem daran liegen, dass sich die Lochsteine nur selten an Wanderwegen befinden. Oftmals sind die Lochsteine zugewachsen und liegen in einem typischen Nadelwald wie er für den Oberharz üblich ist. Wir werden mit Sicherheit noch versuchen weitere Lochsteine zu finden und Euch Bilder sowie Wegbeschreibungen dazu zu liefern. Bei Lochsteinen gilt das Motto: „Wer suchet, der findet“!

Der Bergbau im Harz!

(Visited 70 times, 1 visits today)

About Author

client-photo-1
Lisa
<p>Harz- und naturbegeistert, Faible für Fotografie im Allgemeinen und Vintage-Linsen im Speziellen. Hunde ♥ Bäume ♥ Wälder ♥ Wiesen ♥ Teiche ♥ Natur</p>

Comments

Schreibe einen Kommentar

error: Bitte nicht kopieren!