Pilze im Harz

Ein Steinpilz im Harz, der von Wildtieren angeknabbert worden ist. Gesehen im Oberharz bei Hahnenklee-Bockswiese.
Ein Pilz, wie man ihn oft im Harz antrifft. Man erkennt, dass Wildtiere schon am Pilz geknabbert haben. Dies ist normal und zeugt von einer regen Wildaktivität – vor allem bei Nacht. Im Gegensatz zum Menschen gibt es viele Wildtiere im Harz, die giftige Pilze essen können.

Vor allem ab dem Spätsommer bis tief in den Herbst hinein – besonders jedoch in regenreichen Jahren – kann man sie an vielen Stellen des Harzes sehen: Pilze! An einigen Wegen sind unterschiedlichste Arten in einem kleinen Radius ersichtlich, teilweise recht seltene Exemplare, aber auch begehrte, sehr bekannte Speisepilze wie Steinpilze, Frauentäubling oder Hallimasch. Bedingt durch die Gesteinsvielfalt des Harzes wie auch die Unterschiede in den Standortbedingungen, die von lehmigen bis hin zu sauren und sandigen Böden reichen, gibt es unzählige Pilzsorten im Harz und dessen Umland. Aber es ist Vorsicht geboten: Einfach schnell ein Buch kaufen und Pilze im Harz sammeln, davon raten wir dringend ab! Zu groß ist die Gefahr, giftige Pilze mit vermeintlich essbaren Gewächsen zu verwechseln. Hexenröhrlinge etwa wachsen dort, wo auch Steinpilze zu finden sind, haben zudem eine ähnliche Wuchsform. Es gibt im Harz spezielle, sehr wissensintensive Kurse mit Praxisanteilen, die von Fachleuten in speziellen Pilzschulen geführt werden und entsprechende Hintergrundinformationen vermitteln. Im Rahmen dieser Kurse finden Lehrwanderungen statt, bei denen mögliche Fehler – etwa das Herausdrehen statt korrekterweise das Schneiden von Steinpilzen – anschaulich demonstriert wird. Möchte man erst einen kurzen Einstieg wagen und nicht den ganzen Urlaub zum Thema Pilze im Harz verbringen, dann bietet sich eine zwei- bis dreistündige Themenwanderung, beispielsweise in Hahnenklee an. Im Nationalpark Harz selbst ist das Sammeln von Beeren und Pilzen ohnehin untersagt, ebenso das Verlassen der Wege. Also: Im Zweifelsfall einfach daran erfreuen, fotografieren – und stehenlassen. Der nächste Harzbesucher freut sich bestimmt!

Giftige Pilze im Harz – nicht nur der Fliegenpilz…

Zwei Pilze der Art Fliegenpilz im Harz.
Im Harz gibt es zahlreiche Pilze zu bewundern. Hier sind zwei Fliegenpilze zu sehen, die in der Pilzsaison 2015 gefunden wurden. Beim Fliegenpilz handelt es sich um einen giftigen Pilz, der leicht zu erkennen ist. Noch giftiger ist beispielsweise der Pantherpilz, der eine andere Farbe jedoch ein ähnliches Erscheinungsbild hat. Nur wirkliche Pilzkenner können essbare von giftigen Pilzen unterscheiden. Seit vorsichtig und fasst keine Pilze an!

Leider sieht man oft zertrampelte oder herausgerissene Exemplare am Wegesrand stehen. Dies sind nicht immer Wanderer, sondern häufig die Tiere im Wald, die im Harz in großer Zahl vorkommen. Hirsche, Wildschweine oder andere Tiere des Harzes sind häufig in Gruppen unterwegs. Viele Arten können auch für den Menschen giftige Pilze wie den Fliegenpilz oder den Grünen Knollenblätterpilz ohne Weiteres fressen, ohne Schaden zu nehmen. Von Wildtieren angeknabberte Exemplare sind also alles andere als selten. Grundsätzlich können Pilze im Harz – gleiches gilt für Beeren – natürlich auch Krankheiten übertragen, etwa den Fuchsbandwurm. Beim Einfrieren werden die Eier des Fuchsbandwurmes nicht abgetötet, da erst ab -80° Celsius das Absterben garantiert ist. Meist werden Pilze im Rahmen der Zubereitung über 70° Celsius erhitzt, und nur wenige Arten wie der Rötliche Gallerttrichter (Tremiscus helvelloides) für den Rohverzehr geeignet sind, besteht wenig Gefahr.

Pilze – in Symbiose oder als Pflanzenschädling

In Wäldern findet man ohnehin einen vielfältigen Artenschatz an Großpilzen, da die Anzahl der Pilze, die in einer Symbiose mit Bäumen leben, groß ist. Günstig sind Standorte an speziellen Baumarten wie Fichte, Kiefer und Eichen. Im sauren Boden der Nadelwälder sind häufig die fotogenen und leuchtend roten Fliegenpilze (Amanita muscaria) zu sehen. Fliegenpilze leben als Holzsymbiont. Zu diesen gesellen sich gerne die essbaren Steinpilze (Botelus edulis) in der Nähe von Fichten dazu. Parasitische Pilze wie der Hallimasch, ein beliebter und bekannter Speisepilz, gehören ebenfalls zu den in großer Zahl vorkommenden Pilzen im Harz. Der Hallimasch bildet sogenannte Überdauerungsmycelien, die Rhizomorphen, aus. Werden die Rhizomorphen bei Holz- und Baumfällarbeiten durchtrennt, bilden sich viele neue Stränge an den Schnittstellen. Dies führt zu einer weiteren Ausbreitung des Pilzes im Harz, teilweise ungewollt. Verwechslungsgefahr besteht jedoch mit dem Sparrigen Schüppling (Pholiota squarrosa). Neben dem Hallimasch, von dem es mehrere Unterarten, beispielsweise den Dunklen Hallimasch (Armillaria solidipes) oder den Gemeinen bzw. Honiggelben Halimasch (Armillaria mellea)gibt, sind in großer Anzahl parasitär lebende Pilze an Bäumen zu sehen, etwa der Rotrandige Baumschwamm (Fomitopsis pinicola) oder unterschiedliche, zu den Porlingen zugehörige Arten.

Bunte Farbenpracht – interessante Pilze im Harz

Ein Pilz im Oberharz, der am Boden im Wald gefunden wurde.
Ein weiterer Pilz, den wir in der Pilzsaison 2015 im Oberharz gefunden haben. Man erkennt klare Unterschiede in der Form zu anderen Pilzen.

Auch wenn es einige Pilze im Harz gibt, die häufig anzutreffen sind, ist die Freude groß, wenn man besonders farbintensive, leuchtende Exemplare – nicht nur Fliegenpilze – sichtet. Relativ oft ist der Klebrige Hörnling (Calocera viscosa) zu sehen, der stark an Korallen erinnert und dessen intensives Gelb und außergewöhnliche Form schon von Weitem erkennbar ist. Meist auf totem Nadelholz zu finden, ist dieser Saprobiont ein oft vorkommender Pilz im Harz.
Bis in den September hinein leuchtet auch der Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum) an einigen Stellen im Wald. Er bildet kleinere Kolonien aus. Der rosarote Pilz nimmt mit dem Alter an Farbintensität ab und geht in ein unauffälliges Graubraun über. Blutmilchpilze sind den Schleimpilzen zugehörig und gehen weder eine Symbiose mit Bäumen ein, noch beziehen sie ihre Nahrung aus abgestorbenem oder lebendem Holz. Zur Nahrung werden Bakterien, Pilzsporen sowie Mikroorganismen herangezogen, die diesen Pilzen im Harz zur Verfügung stehen. Auffällig gelblich kommt auch der Falsche Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca) daher, der gerne in den Nadelwäldern des Harzes wächst und leicht mit dem Echten Pfifferling (Cantharellus cibarius) verwechselt wird. Das ganze wird noch durch die Tatsache verkompliziert, dass es von dem Echten Pfifferling (auch Rehling oder Eierschwamm genannt) einige Varianten gibt. Als Phänomen treten an vielen Stellen im Harz, an eher nährstoffarmen, sandigen Stellen, sogenannte Hexenringe auf. Dies hat nichts mit der Mythologie um den Harzer Brocken herum zu tun, sondern es handelt sich um mehr oder weniger rund ausgeprägte Wuchsbilder von Pilz-Fruchtkörpern. Schätzungsweise mehr als 60 in Europa beheimatete Pilzarten können diese bis zu mehreren Meter großen Ringe entstehen lassen. Der Fruchtköper, also das, was wir als Pilz kennen und sehen, wird am Ende der Myzelfäden ausgebildet. Die ringförmige Anordnung, der Hexenring, ist das Überbleibsel des abgestorbenen Myzels, also des unter dem Boden liegenden Pilzgeflechts. Pilze können recht schnell wachsen, sodass diese Hexenringe innerhalb von wenigen Stunden sichtbar werden. Sind diese im eigenen Garten meist ein ärgerliches Vorkommen und ein Hinweis für nährstoffarme Böden, erfreut man sich in der Harzer Natur darüber.

Ein Blutmilchpilz auf einem Baumstamm im Harz.
Das ist auch eine Pilzart! Es handelt sich um den Blutmilchpilz, wie er im Harz zu bewundern ist. Er gehört zur Klasse der Schleimpilze und verblasst – ausgehend von einem kräftigen Korallenrot – im Laufe der Zeit.

Interessant anzusehen sind auch die essbaren Birken-Rotkappen (Leccinum versipelle), die zu den häufigeren Pilzen im Harz zählen und im Falle von trockenen Frühjahren und Sommern nur vereinzelt auftauchen, in regnerischen Zeiten allerdings umso zahlreicher. Alles in allem ist für jeden etwas dabei: Für den Sammler, natürlich nur außerhalb des Nationalparks sowie auch für die Fotografen finden sich unterschiedlichste Pilze im Harz. Kleiner Tipp: Mit einem selbstgebastelten Alureflektor oder einer Makroleuchte fotografiert es sich am düsteren Waldboden besser. Meist ist mitten im Wald wenig Licht und nicht immer hat man ein Stativ zur Hand, um längere Belichtungszeiten umzusetzen.