Das Mundloch in Gittelde: Unscheinbar, aber von großer Bedeutung!

Das Mundloch in Gittelde: Unscheinbar, aber von großer Bedeutung!

Das Mundloch des Oberharzer Ernst August Stollens in Gittelde bei Bad Grund.

Gittelde ist ein kleiner Ort, der zu Bad Grund gehört und im Vorland des Harzes liegt. Fährt man durch Gittelde, das ohne Frage einen schönen Blick auf den Oberharz bietet, so vermutet man zunächst nicht, dass es dort ein richtiges Highlight gibt: ein Mundloch. Ich hatte schon länger mal mit dem Gedanken gespielt, Gittelde und das Mundloch zu besuchen, dort erst im Rahmen einer Tour zur nahe gelegenen Stauffenburg, einer schönen Burgruine inmitten eines herrlichen Laubmischwaldes, bot sich eine Fahrt nach Gittelde an. Was versteht man aber nun unter einem Mundloch und warum ist dieses in Gittelde so besonders?

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Ohne Wasserlösungsstollen kein Bergbau im Oberharz!

Wasserlösungsstollen dienen dem Zweck, Gruben zu entwässern und so den Bergbau zu ermöglichen. An der Stelle, an der sie aus dem Berg austreten, befindet sich das sogenannte Mundloch.

Der Eingang zu dem Mundloch des Oberharzer Wasserlösungsstollen Ernst-August-Stollen in Gittelde.
Hier geht es zum Mundloch des Ernst-August-Stollens in Gittelde. Der Eingang zum Gelände ist recht unauffällig.

Die Wirtschaft des Oberharzes war, mit Unterbrechungen, über viele Jahrhunderte hinweg vom Erzbergbau abhängig. Im Rahmen der Bergbauaktivitäten entstanden nicht nur die bekannten Bergstädte, bei denen Bad Grund im Übrigen die älteste ist, sondern ebenfalls das Oberharzer Wasserregal und die entsprechenden Einrichtungen der Oberharzer Wasserwirtschaft. Die Nadelwälder der Region haben ebenfalls ihre Entstehung dem Bergbau zu verdanken. Je weiter die damaligen Bergleute in die Tiefe vordrangen, umso mehr wurde das in die Stollen eindringende Wasser zum Problem. Zwecks einer Entwässerung hatte man bereits den Tiefen Georg-Stollen 1799 fertiggestellt, dessen Mundloch in Bad Grund liegt.

Beim Tiefen-Georg-Stollen handelt es sich um einen Wasserlösungsstollen, dessen Mundloch in Bad Grund liegt. Er wurde durch den Ernst-August-Stollen beerbt, der das Wasser aus den Oberharzer Gruben bei Gittelde aus dem Mundloch herausleitet.

Der Tiefe Georg-Stollen war jedoch noch immer nicht ausreichend, um die Entwässerung der Oberharzer Gruben sicherzustellen, sodass man 1851 erneut mit dem Auffahren eines weiteren Wasserlösungstollen begann: Dem Ernst-August-Stollen. Durch eine abgeänderte Arbeitsorganisation wurde dieser von Oberbergrat Christian Zimmermann gemeinsam mit Hermann Koch, dem Vater des berühmten Mediziners Robert Koch, geplante Stollen bereits 1864 fertiggestellt. Die Bergleute mussten in kürzeren Schichten mehr Arbeit in Form von Bohrlöchern leiten und auch Sonntagarbeit verrichten. Selbstverständlich war alles Handarbeit und es standen nur Hammer und Schlegel sowie Handbohrer zur Verfügung, um die Sprengungen vorzubreiten.
Die für den Erfolg des Projekts kritische Vermessung oblag dem Oberbergamtsmarkscheider, Eduard Borches, der es mit den damaligen Mitteln schaffte, eine Abweichung von nur 4 cm einzuhalten. Das ist aus heutiger Sicht eine mehr als beeindruckende Leistung, zumal im 19. Jahrhundert nur sehr einfache Vermessungsgeräte zur Anwendung kamen. Die damaligen Baukosten lagen bei fast 600.000 Talern, worin die Ausmauerung von etwa 30 % der Strecke enthalten war. Anbei eine Übersicht mit allen wichtigen Informationen rund um den Ernst-August-Stollen:

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Förderwaren aus dem Oberharzer Erzbergbau vor dem Mundloch des Ernst-August-Stollens in Gittelde bei Bad Grund.
Ohne den Ernst-August-Stollen wäre ab einem bestimmten Zeitpunkt an kein Bergbau im Oberharz mehr möglich gewesen. Der Stollen stellt eine beeindruckende technische Leistung dar.
  • Der Ernst-August-Stollen wurde zwischen 1851 und 1864 gebaut.
  • Die Länge lag bei 10.450 m, also bei 5432 Lachtern (1 Lachter = 1,92 m).
  • Das Wasser aus den Revieren Clausthal, Zellerfeld, Lautenthal, Wildemann, Grund und Silbernaal wurden durch den Stollen zum Mundloch in Gittelde geleitet.
  • Der Bau erfolgte im Gegenortbetrieb – dies bedeutet, dass von mehreren Stellen aus gearbeitet wurde (Bergmannssprache: aufgefahren).
  • In der Nähe von Wildemann kam es am 22. Juni 1864 zum letzten Durchschlag des Stollens.
  • Der Ernst-August-Stollen kostete fast 600.000 Taler, und war damit nur 14 % teurer als geplant.
  • 1880 wurde auch das Revier in Lautenthal mit dem Stollen verbunden.
  • Heute gibt es nur noch zwei Zugänge zum Erst-August-Stollen: 1. Das Mundloch in Gittelde, 2. Die Grube Lautenthals Glück.
Die Grube Lautenthals Glück!

Das Wasser aus den ehemaligen Oberharzer Gruben fließt noch heute in die Nordsee.

Es sieht zwar nur nach einem kleinen Bach aus, aber durch das Mundloch in Gittelde fließt noch immer eine nicht zu vernachlässigende Wassermenge, die den Bergbau im Oberharz viel früher zum Erliegen gebracht hätte. Das aus dem Mundloch austretende Wasser fließt in die Markau, die ein Zufluss der Söse ist, die wiederum in der Rhume mündet. Die Rhume ist ein Nebenfluss der Leine, die flussabwärts in der Aller mündet, die in der Weser aufgeht. In Bremerhaven fließt also zum Teil das Wasser aus dem Oberharz, welches den Bergleuten früher solche Probleme bereitete, in die Nordsee.

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Die Dennert Tanne zum Mundloch des Ernst-August-Stollens in Gittelde.
Am Mundloch in Gittelde darf selbstverständlich eine Dennert-Tanne nicht fehlen.

Das Mundloch in Gittelde heute: Leicht zu übersehen, aber einen Besuch wert!

Der Oberharz hat viele interessante Attraktionen in Bezug auf den einstigen Erzbergbau zu bieten. Für Kinder sind vor allem die Besucherbergwerke sehr empfehlenswert.

Gittelde erreicht man mit dem Auto über die B243 aus und genau an dieser Straße liegt der Zugang zum Mundloch. Man übersieht die Stelle leicht, doch links daneben befindet sich eine kleinere Fabrik und gegenüber der Parkplatz, der unmittelbar an den Sportplatz grenzt. Dort kann man parken und muss nur kurz über die Straße, um wenige Meter durch eine parkähnliche Anlage zu laufen. Dann hat man das besagte Mundloch gefunden, das natürlich eine eigene Dennert-Tanne mit umfangreichen Informationen hat. Wenn man weiß, welche Mühen und besonderen Leistungen hinter dem Bau eines Stollens wie dem Ernst-August-Stollen stecken, so verwundert es nicht, dass man das Mundloch so aufwendig ausgestaltete. Der Portalbau ist im neoklassizistischen Stil gehalten und trägt selbstverständlich eine Inschrift mit diversen Informationen zum Wasserlösungstollen, auf den man zurecht sehr stolz war.

Der 19-Lachter Stollen in Wildemann!
Bergbaugeschichte Oberharz Bad Grund Gittelde.
Was wäre der Oberharz ohne den einstigen Bergbau?

Wer sich also intensiv für den historischen Bergbau im Oberharz interessiert, sollte einmal kurz in Gittelde vorbeischauen, schließlich liegt es nicht sonderlich weit von Bad Grund aus entfernt. Familien mit Kindern, die das Thema Bergbau reizt, seien jedoch eher die Besucherbergwerke im Oberharz zu empfehlen. Dort geht es entweder zu Fuß oder per Grubenbahn unter Tage. Hier sind es vor allem der 19-Lachter-Stollen, das Bergwerk Lautenthals Glück sowie der Ottiliae-Schacht, die zu empfehlen sind. Goslar mit dem Rammelsberg ist natürlich ebenfalls ein klares Muss.

Gute Gründe für einen Urlaub im Harz!

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Lisa
Harz- und naturbegeistert, Faible für Fotografie im Allgemeinen und Vintage-Linsen im Speziellen. Hunde ♥ Bäume ♥ Wälder ♥ Wiesen ♥ Teiche ♥ Natur

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